Mit einem Vorwort von Joschka Fischer. Salomon Korn ist in dem vorliegenden Band "auf der Suche nach der deutsch-jüdischen 'Normalität'", die sich in der Tat nicht herbeireden lässt, deren Grundlage aber durch schonungslose Situationsbeschreibung gelegt wird.
Das jüdische Leben in Deutschland sei normaler geworden, findet Richard Herzinger und führt das nicht zuletzt auf das neue jüdische Selbstbewusstsein der "Nachkriegsdemokratie" zurück. Ihnen, die "keine 'jüdischen Mitbürger' mehr, sondern vollwertige, tätige Bürger des Landes" sind, verleihe Salomon Korn, Architekt, Soziologe und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, in dem seine jüngsten Reden und Aufsätze vereinenden Band "eine Stimme". Der Versuch, die diffizilen Voraussetzungen für die katastrophale Zerstörung der jahrhundertealten jüdischen Tradition zu bestimmen, wird "fast flehentlich" von der Suche "nach Überresten uralter Gemeinsamkeiten" begleitet. Er steht im Dienst der Errichtung einer "noch immer fragilen Grundlage deutsch-jüdischen Zusammenlebens", wobei Korn keinen Zweifel darüber lasse, dass "sich Juden nie wieder der tödlichen Illusion einer Assimilation hingeben" dürften. Auf die von Politikern angeregte Patriotismusdebatte verweisend, äußert sich Herziger optimistisch, "dass eine solche Kultur in einem pluralistischen Deutschland Zukunft hat".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2003
Der mit "sab" zeichnende Rezensent ist voll des Lobes angesichts dieser Sammlung von Aufsätzen und Reden Solomon Korns, der die Entwicklung des deutsch-jüdischen Verhältnisses in all seiner Fragilität seit nunmehr 20 Jahren beobachtet und kritisch kommentiert. Bei seiner Beschäftigung mit den verschiedensten Aspekten dieses Verhältnisses in Literatur, Architektur, Soziologie zeichne er sich durch "aktuellen Bezug" und "glaubwürdige Rhetorik" aus und leiste somit tatsächlich einen bedeutsamen Beitrag zur Normalisierung dieses Verhältnisses.
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