Seit Krieg wieder heilig ist und betende Politiker zu Kreuzzügen aufrufen, wird allenorten von einem Wiedererstarken der Religion gesprochen. Sam Harris betrachtet den Zusammenhang zwischen Religion und Gewalt mit nüchternen Augen. Frei von der weit verbreiteten theistischen Betriebsblindheit untersucht er die Hintergründe des islamistischen Terrors. Hier spricht einer aus, was andere kaum mehr zu denken wagen, endlich ein Autor, der zu unterscheiden weiss zwischen Religion und Spiritualität. Ein Weckruf in glaubensverdunkelter Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2007
In einer vergleichenden Besprechung von Richard Dawkins' "Gotteswahn", Christopher Hitchens' "Der Herr ist kein Hirte" und Sam Harris' "Das Ende des Glaubens" kommt letzterer noch am besten weg, und zwar weil er den Menschen wenigstens ein Bedürfnis nach spirituellen Erfahrungen zugesteht. Auch Harris' Vorschlag, Vernunft, Spiritualität und Ethik über den Weg der persönlichen mystischen Erfahrung zu vereinen, findet Wenzel verhältnismäßig interessant. Obwohl also Harris dem von so viel "rabiater" Polemik ermatteten Wenzel noch den "gescheitesten" Eindruck macht, muss er leider auch ihm vorhalten, dass mit der Theologie schon längst die Wissenschaft Einzug in die Religion gehalten hat. Damit laufe ein Großteil der vorliegenden Kritik ins Leere. Allerdings sieht Wenzel die Schuld für die derzeitige Schwemme an grob gestrickten antireligiösen Polemiken nicht nur bei deren Urhebern. Der Rezensent bittet deshalb alle Gläubige, etwas gelassener mit Kritik umzugehen. Dann könnte die wiederum gelassener und "intelligenter" daherkommen als es im Augenblick mehrheitlich der Fall ist.
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