Entsandt von der Akademie, einer Sicherheitsbehörde, deren Agenten in den Distrikten Saboteure verfolgen oder Widerstandszellen ausheben, reist eine Detektivfigur in eine abgelegene Stadt, um den verschwundenen Teenager Saul zu finden. Hier weht täglich ein unerträglicher heißer Wind, und je mehr die Einwohner, ein abgeschottetes Institut und die landschaftliche Umgebung in den Blick geraten, desto mehr verstärkt sich der Eindruck, dass hier alles in Ordnung ist - und zugleich nichts mit rechten Dingen zugeht. Die "Dezimierung", bei der an einem Tag fast alle Tiere verschwanden, und das Vorgehen im Institut bleiben vorerst unergründlich. Die Idylle scheint hier nur eine Spielart der Verwüstung, die Realität nur ein Spielball der Macht. Bald geht es in Samuel Hamens Debütroman nicht mehr nur um lokale Unruhen oder eine Jugend, die um eine gute Zukunft ringt, sondern um weitaus mehr, um digitale Lebensweisen, um ökologische Trauer, letztlich um die Art und Weise, wie wir in einer Welt leben können, die uns unwiederbringlich abhandenkommt.
Rezensent Michael Wolf im Leseglück: Wenn Samuel Hamen in seinem Roman all die großen Fragen des Anthropozäns verhandelt, tut er dies mit viel Intellektualität, Witz und Spaß am Spiel mit den Genres. Der Plot: In einer Zeit kurz nach oder kurz vor der klimatischen Apokalypse erlebt ein Land seinen Niedergang und das massenhafte Sterben seiner Tiere. Ein hartgesottener Ermittler im Stile Raymond Chandlers versucht das Verschwinden eines Teenagers aufzuklären, aber auch die rätselhaften Vorgänge im Kraftwerk. In literarische Energie umgewandelt werden hier nicht nur Rohstoffe, Öl und Atomkraft, sondern auch ein Nachdenken über Erinnerung und posthumanistischen Theorie, wie Wolf beeindruckt feststellt. Am Ende sieht er die Frage aufgeworfen, ob Seelen streiken können, wenn ihnen zuviel Leid zugemutet wird. Dass Samen ihn dabei auch zum Lachen bringt, rechnet der Rezensent dem Autor hoch an.
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