Von der Suche nach Familie, der Sehnsucht nach dem richtigen Ort und darüber, dass nichts davon planbar ist
"Ich bin mit zwei Kurts zusammengezogen. Einem ganzen Kurt und einem Halbtagskurt. Jana und Kurt haben sich entschieden, dass sie ihr Sorgerecht teilen, vor allem wenn Kurt schon extra aufs Land zieht. Und so pendelt das Kind nun wochenweise zwischen seinen beiden Oranienburger Zuhauses hin und her: zwei Häuser, zwei Kinderzimmer, unterschiedliche Regeln und alle Menschen, die er liebt.
Und dann bin da noch ich."
Lena hat mit ihrem Freund Kurt ein Haus gekauft. Es scheint, als wäre ihre größte Herausforderung, sich an die neuen Familienverhältnisse zu gewöhnen, daran, dass Brandenburg nun Zuhause sein soll. Doch als der kleine Kurt bei einem Sturz stirbt, bleiben drei Erwachsene zurück, deren Zentrum in Trauer implodiert.
Patchwork-Familie in Oranienburg, Verbindung zur alten Ost-taz - Thomas Winkler kann sich gut einfühlen in Sarah Kuttners Roman "Kurt", der vom ganz normalen Leben im uncoolen Brandenburg erzählt, mit Sangria auf der Grillparty und Blumenkauf bei Pflanze-Kölle. Winkler gefällt, dass Kuttner das Land nicht als trostlose Kulisse für skurrile Trottel benutzt, sondern die Brandenburger in ihrer ganzen "pragmatischen Knurrigkeit" zeigt. Auch der Leichtigkeit, mit der Kuttner ihre durchaus traurige Familiengeschichte erzählt, kann er etwas abgewinnen. Allerdings weiß Winkler, dass er als taz-Kritiker nicht ganz unvoreingenommen auf das Buch einer der taz-verbundenen Autorin blicken kann.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 12.03.2019
Laut Gesa Ufer wird Sarah Kuttner als Autorin besser. Ihre dauerkalauernden Dialoge nerven die Rezensentin zwar nach wie vor, und der von Längen geprägte Roman schrammt nah am Kitsch entlang, doch insgesamt findet ihn Ufer gelungener. Vor allem den zweiten Teil des Buches, in dem das Feel-Good-Partnerglück der Protaginisten durch den Unfalltod eines Jungen verdüstert wird, findet Ufer überzeugend. Die Trauer und Verzweiflung der Figuren kann Kuttner laut Rezensentin glaubwürdig in Worte und Handlung fassen.
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