Aus dem mexikanischen Spanisch von Angelica Ammar. Sergio Pitols Geschichten um die Liebe und ihre Geheimnisse zeigen Menschen in schicksalhaften Momenten: ihre Helden sind an Wendepunkten angekommen und müssen sich entscheiden zwischen einem Leben in Lateinamerika und Europa, zwischen einer vorgegebenen Karriere und dem Abenteuer, zwischen zwei Männern oder zwei Frauen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2005
Hingerissen ist Uwe Stolzmann von diesem Band mit Erzählungen des mexikanischen Autors Sergio Pitol, der sich darin wieder einmal als "Magier" erweise. Pitol sei ein Meister des literarischen "Spiegelkabinetts", indem er aus einer zunächst ganz konventionellen Szene, wie in der ersten Erzählung um eine Frau in einem Schlafwagenabteil, eine zwielichtige, "offene Landschaft" kreiert. Dabei gehe es dem Autor, in der "Handlung unter der Handlung" um das Schreiben an sich und um die "Geburt eines Kunstwerks", die er vorführe wie ein Zirkuszauberer, und die der Zuschauer, sprich Leser, dennoch nicht durchschaut, berichtet Stolzmann fasziniert. Diese Texte sind "kraftvolle Prosa über Prosa", lobt Stolzmann, der es lediglich bedauert, dass weder Entstehungszeit noch -umstände der Erzählungen in diesem Sammelband erwähnt werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.12.2005
Zum Glück habe der Autor noch mehr geschrieben als diese Erzählungen, freut sich Rezensent Christoph Bartmann, zum Glück für alle Leser und Liebhaber von Pitols notorisch "lügnerischer" Erzählweise. Der Rezensent lokalisiert die Handschrift des Autors als spezifisch lateinamerikanisch, insofern Pitol seine Erzähler gerne erzählerische "Selbstreflexion" betreiben lasse, bis über Gerüchte, Nacherzählen und Verwandlung kein Gran "Gewissheit" mehr übrig bliebe. Nicht mehr jedenfalls als die Knochen der Raben, die von Wüstenstörchen zerstückelt würden, wie der der Rezensent berichtet. Ein anderes Stilmerkmal Pitols, das "Formgesetz" der fünf Erzählungen gewissermaßen, stellt für den Rezensenten die "Abschweifung" dar, gleichfalls notorisch. Kaum habe Juan Manuel Erzählungen über die "Vogelmassaker" erzählt, schweife er schon ab. Oder der Erzähler stelle sich plötzlich einen Schriftstellerdiplomaten a la Sergio Pitol vor, wie dieser aus den alle anderen langweilenden Jugenderinnerungen einer Diplomatengattin eine eigene Abenteuergeschichte spinne. Und getreu seiner lateinamerikanischen Ader, so der Rezensent, würde solcherlei "Verwandlungen" bei Pitol selbst zum Thema des Erzählens. Verwandelt fühlt sich übrigens auch der Rezensent, denn "verzaubert verlässt man den schwankenden Boden".
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