Serhij Zhadan

Feuerpause

Das erste Theaterstück von Serhij Zhadan in deutscher Übersetzung
Cover: Feuerpause
Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518432648
Broschiert, 200 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Ukrainischen von Sebastian Anton und Anna Kolomiitseva. Feuerpause ist Serhij Zhadans erstes originäres Theaterstück, das ins Deutsche übersetzt wurde. Das Stück spielt im Sommer 2014 im Donbass, wo die Ukraine von bewaffneten Truppen attackiert wird. Zhadan hat bereits in seinen Romanen, die vielfach für die Bühne adaptiert wurden (Internat, Die Erfindung des Jazz im Donbass), diese Anfangsphase des russischen Kriegs gegen die Ukraine eindrücklich zum Thema gemacht.  Zhadan erschafft eine atmosphärisch dichte Situation, in der seine Figuren einander nicht mehr ausweichen können. Sie werden zu einer von Feindseligkeiten durchsetzten Schicksalsgemeinschaft.Der Tod bringt alle zusammen: Die verstorbene Mutter liegt oben im Schlafzimmer, in der Küche treffen die beiden Brüder nach langer Zeit wieder aufeinander. Anton, der Ältere, hat das Weite gesucht. Der Jüngere, Tolik, ist geblieben, dem schwelenden Krieg und den zunehmend prekären Verhältnissen zum Trotz. Doch nun wurde die Brücke gesprengt, das Postamt zerstört, die Felder in Brand gesteckt, die Wasserversorgung gekappt. Die Hitze nimmt zu. Es klopft an der Tür, herein tritt Tante Schura, in Begleitung zweier Frauen, zum Aufräumen und zur Totenwaschung. Immer wieder klopft es, immer mehr Leute aus der Ortschaft treten ein, das Haus der Toten füllt sich mit Leben, es wird zu einer Zuflucht und Falle zugleich. Sie alle misstrauen einander, haben sich gegenseitig ausspioniert und verraten. Wie spricht man miteinander, wenn auch die Sprache kaputt und die Fähigkeit, einander zu verstehen, in der Vorkriegszeit verschollen ist?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.11.2025

Rezensentin Beate Tröger empfiehlt Serhij Zhadans Brecht'sche Parabel über den Krieg und seine verheerende Macht. Besser als der Autor fasst derzeit niemand die Schrecken des Krieges zusammen, findet sie. Die Hilflosigkeit, das Hoffen und Bangen, das Sterben - all das wird bei Zhadan plastisch, findet Tröger. Der Autor kennt laut Tröger nicht nur den Krieg von innen, er beherrscht auch die knappe Figurenzeichnung und Regieanweisung, sodass die kammerspielartige Szenerie um eine Beerdigung für den Leser und den Betrachter schnell anschaulich wird.

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