PNR: La Bella Vita
Roman

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN
9783462003802
Gebunden, 416 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Revolution machen kann (fast) jeder. Eine neue Gesellschaftsordnung aufbauen: das schaffen nur ein paar Nerds. Und Sibylle Berg. Nach einer gelungenen Revolution, die das Finanz- und Gesellschaftssystem sanft beseitigt hat, wird sie endlich errichtet: die schöne neue Welt nach dem Kapitalismus. In dieser Welt ist alles verschwunden, woran die Menschen zu glauben gelernt hatten, in der jeder erstaunt bemerkt - dass es möglich ist, ohne Angst zu existieren und ohne sein Leben an einen Arbeitgeber zu verkaufen. Vom Wohnen bis zur Landwirtschaft, von der Art Urlaub zu machen bis zu der Frage: Wohin mit der Bürokratie? erfindet sich Europa neu. Aber: Was interessiert Don Europa? Sie ist in Italien, dem besten Ort, um auf Ruinen etwas Neues zu errichten.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 01.11.2025
Mit Sibylle Bergs neuem Buch hat Rezensentin Marlen Hobrack eine "traurige Utopie für Beinahe-Hoffnungslose" vor sich: Die Protagonisten kennt sie schon aus den beiden Vorgängerbänden der Trilogie, hier hat die Rebellengruppe es nun geschafft, das alte System zu überwerfen. Die schöne neue Welt befindet sich nun im Wiederaufbau, erfahren wir, aber so schön ist es gar nicht: Melancholisch erzählt Berg davon, wie schwer es ist, eine wirklich solidarische Gesellschaft aufzubauen. Dass es à la Sowjetunion nicht so leicht ist mit dem Sozialismus, davon liest Hobrack in dem zu gleichen Teilen deprimierenden und für die Autorin typisch komischen Stil Bergs.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.10.2025
Sibylle Berg kennt Rezensent Rainer Moritz als eine Autorin, die sich den Problemen der Menschheit oft mit einer ordentlichen Portion Zynismus zuwendet, so auch in den ersten beiden Bänden ihrer dystopischen Trilogie. Der dritte Teil zeigt jetzt eine utopische Welt, nachdem ihre Protagonistengruppe, ein Haufen Rebellen, das alte System in Schutt und Asche gelegt hat, Wohnraum ist nun gerecht verteilt, der Kapitalismus abgeschafft und selbst Kühe können ohne "Leistungsdruck im Euterbereich" einfach auf der Weide stehen, wie Moritz schildert. Ganz so einfach ist es allerdings nicht: Der Roman leidet laut dem Kritiker darunter, dass es keinen rechten Spannungsbogen geben mag und dass die utopischen Zustände für die Kunst insgesamt recht langweilig sind, auch Bergs Gedichte wissen ihn mit ihrer Betulichkeit nicht zu überzeugen. Insgesamt scheint er den Roman aber doch nicht ungerne gelesen haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.10.2025
Claudius Seidl liest den letzten Teil von Sibylle Bergs Roman-Trilogie mit dem gleichen Misstrauen gegenüber der darin geschilderten Utopie einer Welt nach dem Kapitalismus, wie es der Text selbst mitliefert. Dass ein herrschaftsfreies, ökologisch korrektes Leben zwar fein, aber ziemlich lanweilig sein könnte, ahnt Seidl schon deshalb, weil Berg ihrer Heldin, die den Stand der Dinge dokumentiert, diese Ahnung mit auf den Weg gibt und sie auch in einer Sprache mitschwingen lässt, die schließlich müde und erschöpft wirkt, wie Seidl feststellt. Die Idylle im Buch scheint zwar menschenfreundlich, ist aber nicht weit entfernt von "totalitärer Zwangsbeglückung", findet der Rezensent. Die anderen Teile der Trilogie muss der Leser übrigens nicht unbedingt kennen, erklärt Seidl, der Roman informiert in Rückblenden über das Nötige.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.10.2025
Rezensentin Judith von Sternburg ist erstaunt und verwirrt über die glücklichen Umstände, die Sibylle Berg in dem letzten und schmalsten Band ihrer Dystopie-Trilogie beschreibt. Das Überraschende ist, dass sich die Dystopie in eine Utopie verwandelt hat. Nach der erfolgreichen Abschaltung des Großteils aller Technik, verschreibt sich Bergs im nun idyllischen Italien lebende Erzählerin Donatella der Aufzeichnung der neu gefundenen Freiheiten zwecks der Anfertigung einer neuen Verfassung. Bergs in wahllose Paragraphen eingekleideter Erzählfluss besitzt zwar noch ein anarchisches Moment, doch widmet sich laut von Sternburg hauptsächlich dem Erfassen einer stillen Grundzufriedenheit. Viele der neuen politischen Ansätze sind noch in Arbeit, was die seit 2024 als Mitglied von "Die PARTEI" selbst politisch aktive Autorin in höchst theoretischen Absätzen abarbeitet. Zwischen sich langsam ausbreitender Freizeit und dem Formulieren von Zukunftsplänen entsteht jedoch keine wirkliche Handlung, moniert die Kritikerin. Zufriedenheit als literarisches Problem interessiert von Sternburg zwar theoretisch, aber nach dem Ausklingen des anfänglichen Staunens gelingt es dem Roman letztlich nicht, dieses Problem aufzulösen oder auf interessante Art zu bearbeiten.