Brüssel ist ungleich bedeutsamer als Berlin: Vier von fünf wichtigen politischen Entscheidungen, die uns betreffen, fallen in der EU-Hauptstadt - aber durch wen? Hans-Peter Martin, Europa-Rebell und EU-Abgeordneter, zeigt, dass Lobbyisten und Beamte an der Macht sind. Die politische Elite kümmert sich lieber um sich selbst als um den Traum eines fairen, sozialen Europas. Demokratisch ist das nicht, aber teuer. Die Deutschen zahlen für eine EU, die aus den Fugen geraten ist. Viel zu viele und falsche Richtlinien, skandalöse Abläufe, überflüssige Institutionen, eine vorschnelle Osterweiterung, eine untaugliche EU-Verfassung, der Streit um die Türkei - und nie wird das Volk gefragt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2009
Nicht in der Sache, in der Form der Darstellung steckt für Frank Decker das Problem dieses Buches. Die Auslassungen des EU-Abgeordneten und -Kritikers Hans-Peter Martin über den Wasserkopf der EU, die Undurchschaubarkeit des Rätesystems und den Brüsseler Lobbyismus findet Decker gar nicht so falsch. Des Autors Insiderperspektive öffnet ihm mitunter die Augen. Und Martins "provokative" Verbesserungsvorschläge, meint er, weisen "in die richtige Richtung". Schlimm findet Decker die Maßlosigkeit und Blindheit gegenüber den durch die EU beförderten Fortschritten in Demokratie, Freiheit und Wohlstand, mit der Martin den "größtmöglichen" Gegensatz zwischen Idee und Realität der EU konstruiert. Für Decker Populismus pur. Und alles andere als konstruktiv.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.05.2009
Nicht ganz unbekannt sind der Rezensentin Claire-Lise Buis die lauten Töne, die der österreichische Europa-Politiker Hans-Peter Martin anschlägt, wenn es gilt, faule EU-Politiker zu geißeln. Und auch wenn sie seine Auslassungen über das "Inzuchtsystem Brüssel" übelgelaunt, seine Kritikpunkte oft klischeehaft und seine Argumente etwas beliebig findet - von der Hand weisen, meint sie, lassen sich seine Klagen über das Brüsseler Demokratiedefizit keinesfalls.
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