Sibylle Berg

Wunderbare Jahre

Als wir noch die Welt bereisten
Cover: Wunderbare Jahre
Carl Hanser Verlag, München 2016
ISBN 9783446253599
Gebunden, 192 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Mit Abbildungen. 1. Januar 2016. Sibylle Berg ist in Tel Aviv, Familienbesuch, und draußen gehen die Böller los. Moment mal, Böller zu Neujahr in Israel? Schreiende Menschen kommen die Straße gelaufen. Sie ducken sich, flüchten in Hauseingänge. Was sich unter dem Balkon abspielt, ist kein Fest. Es ist ein Anschlag. Sibylle Berg ist viel auf Reisen gewesen, jetzt ist der Spaß vorbei. Wollen wir wirklich in einer Welt herumfahren, wo der Strand zur Kampfzone wird, der Konzertsaal zum Bunker, wo neben dem Café die Bomben fliegen? Sibylle Berg erzählt, wie die Welt war, als wir noch Fernweh hatten: schön, abenteuerlich, romantisch. Und sagt, wie sie heute, im 21. Jahrhundert, ist: zum Weglaufen. Aber wohin?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2016

Für die Rezensentin Rose-Maria Gropp ist Sibylle Berg eine mit überscharfer Beobachtungsgabe und geschliffener Sprache begabte Moralistin und große Komödiantin, die nicht müde wird, die Welt zu bereisen und auf die Untiefen unseres Daseins aufmerksam zu machen, auf den Schmutz unter der Oberfläche. Die 19 hier vereinten Prosatexte, für Gropp teils Reportagen, teils satirische Bravourstücke, teils dystopische Eindrücke aus dem Kosovo, aus Brasilien oder vom Grünen Hügel in Bayreuth, bestechen laut Gropp durch Klarheit, Wachheit, gerechte Wut und das weitgehende Fehlen von Sarkasmus und Betroffenheit. Den ethnografischen Blick der Autorin, ihr Verlangen nach Aktualität, das sie mit Nachträgen zu den teilweise bis ins Jahr 1999 zurückreichenden Texten bekräftigt, sowie ihr Insistieren auf dem Blick auf das Falsche findet Gropp bemerkenswert.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2016

Melancholisch, abgeklärt, zermürbend, mit kleinen verstreuten Glücksmomenten - so müssen wir uns wohl die Reisetexte Sibylle Bergs vorstellen, glaubt man der Rezensentin Kathleen Hildebrand. Die Texte waren alle schon mal veröffentlicht, Berg hat sie für diesen Band überarbeitet und jeweils mit einem Postscriptum versehen, dass das Unglück des Ortes weiterzuschreiben scheint: noch eine Katastrophe, noch ein Unglück, noch ein Krieg. Trotzdem gefallen Hildebrand die Beschreibungen, denn Naivität ist Bergs Sache nicht. Wie sie Augenblicke des Glücks oder der Schönheit einfängt, so kann sie auch Enttäuschungen in lohnenswerte Erfahrungen ummünzen, lobt die Rezensentin. Ist ja auch eine Kunst.

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