Unterhaltsam Kurioses aus der Wiener Stadtgeschichte auf Spaziergängen zu prächtigen Zinshäusern. Abseits der Ringstraßenpalais durchzieht ein großer Facettenreichtum an Zinshäusern die Stadt. Noble Mietvillen und vornehme Bürgerhäuser ebenso wie ehemalige Arbeiterkasernen machen Wien zu einer der historisch interessantesten Städte Europas. Die Seele eines Hauses sind seine Bewohner. Im Fall der Wiener Zinshäuser haben stets auch die Eigentümer viel zum Schicksal der Gebäude beigetragen. Sie entscheiden über den Erhalt von Schützenswertem, kennen ihre Mieterinnen und Mieter persönlich und erleben mitunter Kurioses bei der Verwaltung der Häuser. Silke Farmer-Wichmann und Clemens Riha sind mit Zinshausbesitzer*innen ins Gespräch gekommen und haben dabei Unterhaltsames, Berührendes und Wissenswertes zutage gefördert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2023
Wien ist nicht nur für Prachtbauten, sondern auch für bezahlbare Mieten bekannt: Das liegt nicht nur am Gemeindebau des Roten Wien, sondern auch am Boom des sogenannten Zinshauses im 19. Jahrhundert, erinnert Cathrin Kahlweit. Erfreut nimmt sie mit "Das Wiener Zinshaus" und "Wenn Wände reden könnten" zwei wunderbare Prachtbände zur Hand, die ihr mit historischen und soziologischem Hintergrund die Geschichte des Zinshauses erzählen: Die Kritikerin bewundert hier nicht nur die prächtigen Bauten, sondern erfährt auch, wie sich die Wiener Bevölkerung innerhalb von sechs Jahren vervierfachte, in Folge Straßenzüge und kleinere Wohnhäuser niedergerissen wurden und ein Wettkampf um Schönheit ausbrach. Gebaut wurde allerdings von Zehntausenden Tagelöhnern unter schrecklichen Bedingungen, erfährt Kahlweit ebenfalls. Darüber hinaus herrschten hinter den Fassaden der eleganten Gebäude nicht selten Armut und Schikane gegen die Mieterinnen und Mieter, liest die Kritikerin. Im Band "Wenn Wände reden könnten" lernt sie außerdem noch Wiener kennen, die bis heute in Zinshäusern leben.
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