Silvio Blatter

Die Glückszahl

Roman
Cover: Die Glückszahl
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783627000820
Gebunden, 186 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Der Kunstrestaurator Philip hat gerade im Auftrag des Züricher Kunsthauses ein wervolles Gemälde aus London abgeholt und sich den Tag freigenommen. Gut aufgelegt spaziert er durch die Stadt und trifft auf Jodie, seine ehemalige Freundin, mit der er als junger Mann diesen wundervollen, glücklich-romantischen Sommer erlebte, der so plötzlich und katastrophal enden sollte Erschrocken über die unerwartete und verstörende Begegnung flüchtet er. Philip begreift, dass die fatale Begebenheit, die sein Leben einst so zerüttet hat und die er seither vergeblich zu verdrängen sucht, längst nicht bewältigt ist. Er beginnt, die Geschicht seines Sommers mit Jodie und die Geschichte der Beziehung seines Vaters mit Jodies Mutter Stück für Stück zurückzuholen und die Ereignisse aufzuschreiben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.11.2001

Was so glücklich beginnt, endet tragisch in Silvio Blatters Buch, doch der tiefere Sinn von "Glückszahl" ist Rüdiger Wartusch nicht ganz klar geworden. Aus den Resten zweier Scheidungsfamilien werden zwei glückliche neue Paare, ein Lottogewinn bewegt alle vier in Richtung Italien, wo das Glück durch einen Unfall abrupt endet. Wartusch vermisst dabei "den Sinn, die Logik und die Ordnung in dieser Geschichte". Seine Frage nach dem Plan der Geschichte bleibt unbeantwortet. Ist es letztendlich eine Art göttliche Fügung, die die vier ereilt?, fragt er sich. An einem Rubbellos metaphysische Fragen wie die Freiheit des Menschen aufzuhängen, findet der Rezensent zumindest ungewöhnlich , wenn nicht gewagt, und kommt zu dem Schluss: "Silvio Blatter lüftet das Rätsel der menschlichen Existenz erwartungsgemäß nicht."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2001

Zwei Vorbilder macht der Rezensent Wolfgang Schneider für Blatters Novelle aus: Adalbert Stifters "Der Nachsommer" zum einen, Max Frischs "Homo Faber" zum anderen. Nützt aber beides nicht so viel, denn glücklich wird er nicht mit dem Buch. Jeder Menge absichtlich herbeigeführter Zufälle begegnet er und hält die "Schilderung der Vater-Sohn-Beziehung" im gemischten Liebes-Doppel, von dem erzählt wird, für den besten Teil des Ganzen. Zuletzt aber gewinnen die konstruierten Zufälle die Oberhand - und das Problem sind noch nicht einmal diese selbst, meint Schneider, sondern die wenig bezwingende Umsetzung der Ideen und Konzepte. Er sieht den Autor, der einst von '68 politisiert wurde, nun "an der Schwelle zur Metaphysik" angekommen. Selbst das wäre noch nicht so schlimm, findet der Rezensent, fehlte nicht Entscheidendes: die "höhere Macht des Erzählens".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2001

Das lange Schweigen dieses Autors hat nicht viel gefruchtet, meint Gieri Cavelty. Die Ausführung der dem Buch zugrundeliegenden Idee kommt ihm "arg konstruiert" vor, der Held hat nichts zu sagen, "was Blatter nicht schon einmal jemandem in den Mund gelegt hätte", und die Erzählerkommentare, heißt es, lassen dem Leser keinen Spielraum. Das Interesse am Schicksal der Figuren ist dem Rezensenten da fix flöten gegangen. Stärken hat das Buch laut Cavelty nur wenige. Sie finden sich dort, "wo Blatter nicht mehr sein will als ein Erzähler, wo vermeintlich Weltbewegendes mit Alltäglichem verquickt wird."

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