Sonja Eismann (Hg.), Anna Mayrhauser (Hg.)

Freie Stücke

Geschichten über Selbstbestimmung
Cover: Freie Stücke
Edition Nautilus, Hamburg 2019
ISBN 9783960541851
Kartoniert, 160 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus freien Stücken - oder doch nicht? 15 Geschichten über Macht, Gewalt und Selbstbestimmung Wie kann man sich bei einer Anhörung im Asylverfahren einen Rest Selbstbestimmung bewahren, wenn man sogar aufs Klo nur in Begleitung darf? Kann man sich den Ekel vor "hässlichen" Körpern durch puren guten Willen abgewöhnen? Wem gehört meine Brust? Wie gefährlich kann ein Coming Out für syrische Ministerialbeamte werden? Und wie kann ich mir sicher sein, dass jemand wirklich Tee mit mir trinken will? Ein klarer weiblicher Blick auf komplizierte sexuelle und Machtdynamiken ruft noch immer heftige Abwehrreaktionen hervor - doch eine neue Generation schüttelt jetzt die bleierne Decke auf. Herausgegeben von Redakteurinnen des "Missy Magazine" schreiben 15 namhafte Autor*innen über Selbstbestimmung und Sex in allen Lebensbereichen. Sie ergründen, wie erfüllende, gleichberechtigte menschliche Beziehungen im 21. Jahrhundert gehen - oder eben auch scheitern. Das gerät persönlich, analytisch oder kritisch, provokant oder brüllend komisch, aber in jedem Fall überraschend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.06.2019

2018 bot die Me-Too-Debatte Opfern von sexueller Gewalt die Möglichkeit, im Schutz der Menge einen ersten Schritt aus der Passivität des Schweigens hinaus zu tun. Die im Zuge dieser Debatte erschienenen Publikationen befassten sich notwendigerweise vor allem mit der Angst und Hilflosigkeit des Opfers, erklärt Rezensentin Lea Schneider. Mit "Freie Stücke" liest sie nun jedoch eine Anthologie, die weiter geht, indem sie nach Handlungsoptionen fragt. Alle 15 Beiträge handeln von Selbstbestimmung sowie von dem Verhältnis zwischen Konsens und Gewalt, lesen wir. Trotzdem erkennt Schneider eine große Vielfalt in den verschiedenen Texten. Sibel Schick etwa erzählt von dem "Leidensweg", der für Frauen mit der ersten Schambehaarung beginnt, während Joey Juschka sich mit der PayGap und ihren Folgen auseinandersetzt, so die Rezensentin. Besonders hebt sie zwei Beiträge hervor: den Essay von Christian Schmacht über verschiedene Formen der Passivität, erzwungener, freiwilliger und schuldhafter, sowie Jacinta Nandis Familiengeschichte, in der die Figuren sich als genauso unperfekt erweisen wie "die gesellschaftliche Realität".

Beliebte Bücher

Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Nelio Biedermann. Lázár - Roman . Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2025.Nelio Biedermann: Lázár
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…
Lukas Rietzschel. Sanditz - Roman . dtv, München, 2026.Lukas Rietzschel: Sanditz
Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,…
Elizabeth Strout. Erzähl mir alles - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Elizabeth Strout: Erzähl mir alles
Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…