Aus dem Tschechischen von Sophia Marzolff. Anfang der 80er Jahre kann Viktor Kaplan, ein junger tschechischer Turkologe, dem Ruf des Orients nicht länger widerstehen. Er träumt davon, seine Studien über die osmanische Elitetruppe der Janitscharen zu vertiefen - und setzt sich nach Österreich ab, erste Etappe auf dem Weg in die Türkei. Als er eine Ausstellung über die gescheiterte Türkenbelagerung Wiens 1683 vorbereitet, lernt Kaplan den zwielichtigen Geschäftsmann Karakash kennen, der ihm ein Stipendium für einen Forschungsaufenthalt am Bosporus verschafft. Bald deutet alles darauf hin, dass er in die Fänge eines Geheimordens geraten ist, der das spirituelle Erbe der Janitscharen angetreten und seine Zentrale ausgerechnet im Herzen der westlichen Zivilisation errichtet hat ...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.12.2005
Der zweite Roman des 1958 geborenen Tschechen Stanislav Komarek verarbeite auf ironische Weise die Biografie des Autors, berichtet Ulrich M. Schmid. Dieser sei in den achtziger Jahren nach einem naturwissenschaftlichen Studium von Prag nach Wien emigriert, habe dort am Zoologischen Institut gearbeitet, dieses 1990 Richtung Prag wieder verlassen und unterrichte seit 2001 an der Karls-Universität Geschichte der Naturwissenschaften. Auf eine ähnliche Reise schicke der Autor auch seinen Helden Viktor Kaplan, von Beruf Turkologe. Als Emigrant gerate der "brave Kaplan" in die Mühlen österreichischer Bürokratie, durchleide eine aufreibende Liebesbeziehung und gelange schließlich in geheimbündlerische Zirkel in Istanbul. Einen "fulminanten Schmäh" sieht der Rezensent ins Werk gesetzt, dessen Phantasie allerdings zum Ende aus dem Ruder laufe, als Kaplan eine obskure neue Identität erhalte. "Letztlich nicht vereinbar" seien die beiden Gattungen Krimi und Schelmenroman, meint der Rezensent und lobt im gleichen Atemzug die Einmaligkeit des tschechischen Witzes.
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