In der Geschichte der Medien markiert das Jahr 1929 einen zentralen Schnittpunkt, an dem Literatur, Film, Fotografie, Rundfunk und Fernsehen in Beziehung treten. Während die Reichspost erste Versuchssendungen eines elektrischen Fernsehens feiert, wird der Stummfilm als Kunstform kanonisiert und zugleich in Richtung Tonfilm überschritten. Neben einem "fotografischen Gedenkjahr" wird gleichzeitig der erste "Tag des Buches" ausgerufen. Die Beiträge des Bandes nehmen jeweils ein konkretes Ereignis zum Anlass für eine übergreifende archäologische Analyse der technologischen Entwicklungen wie auch der Debatten um Tradition und Innovation der Medien, mediale Differenzen, disziplinäre Reaktionen und institutionelle Konsequenzen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.11.2002
Die kulturwissenschaftliche Darstellung des Jahres 1929 von Stefan Andriopoulos und Bernhard Dotzler hat Julia Encke gelesen. Darin versuchen laut Rezensentin die beiden Herausgeber, verdichtet auf ein Jahr, die Entwicklung unserer modernen Mediengesellschaft darzustellen. Dabei wollten die Autoren den Leser nicht in die damalige Zeit versetzen, sondern Entwicklungen, die unser heutiges Leben bestimmen, zurückverfolgen und sichtbar machen. So würden die frühen Konstruktionen von Fernsehen und Computer ebenso reflektiert wie das Kino oder das Radio, wobei Encke kritisiert, dass diese Darstellungen manchmal zu sehr in das technische Detail gingen. Letztlich besteht für die Rezensentin die Faszination dieses Buches darin, dass es den neuen "Denksystemen" nachspürt und daher geht es ihr "wie den frühen Fernsehbastlern: es locken die Testmädchen" im Badeanzug.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.10.2002
Das Jahr 1929 ist heute präsent als das Jahr des "Schwarzen Freitags", an dem die Börse kollabierte. Einschnitte aber gab es 1929 auch in mediengeschichtlicher Perspektive - und darum kümmert sich, im Blick auf verschiedene Phänomene, dieser Band, schreibt der rox. zeichnende Rezensent. So stellte im Januar der Privatgelehrte Aby Warburg in Hamburg erstmals sein Projekt Memoria-Atlas vor, es folgte, im März, die erste drahtlose Fernsehübertragung. 16 Kapitel hat der Band als ganzer, das letzte widmet sich George Méliès, der in Paris eine Séance hielt, erzählt der Rezensent.
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