Aus dem Montenegrinischen von Elvira Veselinovic. "Das Ministerium tötet die Künstler". Eine Schlagzeile, die dem montenegrinischen Kulturminister Valentino Kovačević alles andere als gelegen kommt, denn es ist keine beliebige Metapher. Im Spannungsfeld zwischen einem beruflichen und einem privaten Todesfall wird der Minister herumgewirbelt - vor sich die strahlende Perspektive auf Anstellung bei einer EU-Institution, hinter sich die dunklen Mächte patriarchaler und kirchlicher Vetternwirtschaft. Auf filmische Weise werden an neun erzählten Tagen zahlreiche Facetten des literarisch noch weitgehend unbekannten kleinen Landes ausgeleuchtet und in Szene gesetzt. Auf die Ereignisse blicken wir durch die Augen des Ministers höchstpersönlich. Seine Gedanken und Gefühle, jedes Zipperlein erleben wir beim Lesen hautnah mit - und betrachten ihn trotzdem mit kritischer Distanz, während er auf den Abgrund zurast. Oder doch nur auf den nächsten Posten mit hübscher Aussicht?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.06.2022
Rezensent Roland Zschächner bekommt mit Stefan Boskovics Roman über einen im Mahlstrom von Korruption, Verrat und Identitätssuche eines Landes in Bedrängnis geratenen Kulturminister ein Sittengemälde der montenegrinischen Gesellschaft. Temporeich, unterhaltsam und politisch engagiert erscheint ihm der Text, der laut Zschächner mit Mitteln der Groteske und des Fantastischen spielt. Literarisch überzeugt ihn der Roman auch durch Rückblenden, Autobiografisches und durch seine Komik. Dass der Autor auch als Dramaturg arbeitet, merkt man dem Text laut Zschächner an. Die Übersetzung von Elvira Veselinovic nennt der Rezensent "versiert".
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