Ein Roman, der uns einen Menschen näherbringt, und zugleich ein Jahrhundert in seinen Wirrungen, Irrtümern und großen Sehnsüchten.
Ein Tag im Leben, der länger dauert, als die Monate und Jahre, die ihm folgen. Ein Augenblick von Ewigkeit, an dem das Leben stillzustehen scheint. Etwas Großes, das sich der Erinnerung verschließt - war's ein Wintertag? Oder war's im Mai?
Es war Krieg.
Der Held des Romans tastet sich an seine Erinnerungen heran, indem er sie wie besessen auf Band spricht. Erst als er im Sterben liegt, dämmert ihm, was an jenem Tag wirklich geschah. Wie einen Traum bewahren, wie überhaupt fortbestehen in einer Trümmerwelt, in der die Abwesenden anwesender sind als die Greifbaren und in der die Lüge mehr Ordnung schafft als die Wahrheit? Und: Ist es wirklich seine Geschichte - oder die des Erzählers, der mit den ererbten Kassetten wenig anzufangen weiß und nichts vom Krieg wissen will, sondern vom Leben und Lieben? Anna Baar erzählt - vor der Kulisse einer versunkenen Welt - vom Irren zwischen der Sorge um sich selbst und der Rücksicht auf andere, von Mutproben, Heldentum und menschlichem Versagen, von Gehorsam und Widerstehen. Es ist die Geschichte einer verpassten Liebe - voller erfundener Wahrheiten, menschlicher Abgründe und eigenwilliger Bilder.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.07.2017
Rezensent Alexander Košenina lernt bei Anna Baar die Wahrheit als Zumutung kennen. Wie die Erinnerung an einen Tag ein ganzes Leben verdichten kann, davon erzählt ihm die Autorin in ihrem Roman zugleich klar und verschlungen, aufgrund von Träumen, Assoziationen und Erfindungen ihrer Erzählerfigur, eines alten Mannes, der sich an den Krieg entsinnt. Wie die Autorin der Vorstellung von einer eindeutigen Wirklichkeit entgegentritt, ohne ihre Geschichte ins Leere laufen zu lassen, gefällt dem Rezensenten gut.
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