Faksimile der Handschrift. Für die Stefan-George-Stiftung herausgegeben von Elisabeth Höpker-Herberg. Mit dem Faksimile wird ein sehr seltenes Manuskript zugänglich, das sogenannte "handgeschriebene buch" zum "Teppich des Lebens". Stefan George richtete dieses Manuskript als Heft für die 64 Gedichte ein, die er, in drei Zyklen gegliedert, für sein fünftes Gedichtwerk vorgesehen hatte. Es sollte die kalligraphisch gestaltete Vorlage des Erstdrucks werden. Doch fand er während der Ausarbeitung so viel zu ändern, am Text der Gedichte, insbesondere aber am Aufbau der Zyklen, daß die vorgesehene Druckvorlage zu einer intensiv genutzten Arbeitsunterlage geriet, die die Annäherungen an die endgültige Fassung des "Teppichs" mit 72 Gedichten dokumentiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.2005
Einen Glücksfall für die Stefan-George-Philologie erkennt Ernst Osterkamp in der nun edierten Faksimilie-Ausgabe von "Teppich des Lebens". Von neuen Forschungsgrundlagen kann man jetzt ausgehen, befindet der Rezensent, der sehr ins Schwärmen gerät. Auf zweiunddreißig Seiten finden sich vom Dichter in seiner "von ihm entwickelten kalligrafischen Schrift" niedergeschriebene Gedichte, zwei pro Seite, wobei die Zyklentitel und Überschriften "kunstvoll in roter Tinte in Versalien" ausgeführt sind. Die von Georges eigener Hand vorgenommenen Korrekturen und Konjekturen erlauben es, den Gang seiner Gedanken, die intensive Arbeit am Text, die Entwicklung der Schrift hin zu ihrer endgültigen Gestalt nachzuvollziehen. "Meisterhaft" wird dieser Erkenntnisprozess geleitet von der Herausgeberin Elisabeth Höpker-Herberg, die mit größter Geduld und digitaler Technologie auch die radierten Spuren noch entziffert hat. Der Rezensent ist rundum zufrieden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.01.2005
Der Rezensent mit dem Kürzel "amo" ist der Meinung, dass man sich schon richtig für Stefan George interessieren sollte, wenn man die Anschaffung dieses auf einem seltenen und unerwarteten Fundstück beruhenden "hochwertigen Faksimile" in Betracht zieht. Das Besondere an dem handgeschriebenen Buch - konzipiert wurde es seinerzeit als Vorstufe zum eigentlichen Druck - ist, dass man hier Georges Arbeitsschritte nach vollziehen kann, obwohl der Dichter sonst meist frühere Entwürfe vernichtete: "In verschiedenfarbigen Tuschen und Tinten zeigt es kalligraphische Korrekturen und poetische Überarbeitungen". Zusätzlich zur Möglichkeit des Quellenstudiums bietet dieser Band auch noch eine "117-seitige Detail-Kommentierung" von Elisabeth Höpker-Herberg, die "eine selten genaue wissenschaftliche Beschreibung" eines "erstaunlichen Dokuments" leistet.
Rolf Vollmann macht sich in der Besprechung des Handschriften-Faksimiles "Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum und Tod mit einem Vorspiel" zunächst Gedanken über die verschiedenen "Attitüden" Stefan Georges, wie zum Beispiel der, sein Äußeres nach dem Abbild Dantes zu stilisieren. Den faksimilierten Handschriftenband findet der Rezensent in so fern etwas irreführend, weil er sich als autorisierte Fassung quasi von der Hand des Dichters geriert, obwohl man weiß, dass sich die spätere von George selbst besorgte Druckfassung durchaus davon unterscheidet. Im vorliegenden Band hat Vollmann dann auch ein handfestes "Schreibfehlerchen" gefunden, eine Wortwiederholung in dem "außerordentlich guten Gedicht" "Der Täter", die in der gedruckten Ausgabe korrigiert ist. Aber irgendwie rührt es den Rezensenten auch, dass sich in den geradezu "erzgegossen" wirkenden handschriftlichen Versen der Meister als fehlbar erweist.
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