Mit 212 zum Teil farbigen Abbildungen. Angesichts des alle Konventionen sprengenden Antikengehaltes der Skulptur der drei Pilgerwegskirchen in Jaca, Léon und Santiago scheint sich die Antike in Nordspanien bis in das elfte Jahrhundert kontinuierlich fortgesetzt zu haben. Voraussetzung für diese Bildsprache war die enorme künstlerische Freiheit, die aufgrund besonderer historischer Faktoren entlang des Pilgerwegs herrschte. Die Bildhauer traten in direkten Wettstreit mit antiker Skulptur, und durch das Nachvollziehen eines Orestessarkophags aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert vermochte es eine einzige Künstlergeneration, den Stil der Romanik nahezu allein aus dieser anverwandelten Antike heraus zu entfalten. Erstmals wird im vorliegenden Band der Gesamtbestand dieser an antiken Formen orientierten Skulptur des elften Jahrhunderts am Jakobsweg betrachtet, die einen neuen Erfahrungs- und Handlungsraum eröffnete.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2013
Die verbindende Linie zwischen Antike und Avantgarde, zwischen Vorromantik und Romantik vermag Stefan Trinks der Rezensentin Anne Kohlick in seinem Buch aufzuzeigen. Gründlich und überzeugend findet Kohlick die Darlegung der Vorbildfunktion antiker Bildhauerei für das Mittelalter. Wenn der Autor Bezüge herstellt und Motive entschlüsselt, staunt Kohlick über die Brutalität der offengelegten Bildwelten. Panofskys Vorstellung von einer christianisierten Antikenwelt des MA sieht sie hier widerlegt. Einzig Trinks' Idee von einer synästhetischen Antikenrezeption kann die Rezensentin anhand der im Buch enthaltenen Ausführungen nicht nachvollziehen.
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