Sie wählen und wählen, ohne Ergebnis. Monatelang ziehen die Kardinäle feierlich in die Kirche, um einen neuen Papst zu bestimmen - vergeblich. Irgendwann sperren genervte Katholiken die Kardinäle im Innern eines Papstpalastes ein, setzen sie auf Wasser und Brot, und siehe da, binnen kurzer Zeit können sie sich auf einen neuen Papst einigen. So geschehen 1271 beim Konklave im mittelitalienischen Städtchen Viterbo. Warum wählen nur alte, zölibatäre Männer den Papst? Kann auch ein einfacher Dorfpfarrer zum Oberhaupt der Kirche aufsteigen? Weshalb kommunizieren die Wähler beim Konklave aus der Sixtinischen Kapelle per Rauchzeichen mit der Außenwelt? In seiner anderen Geschichte der Papstwahl erklärt der Vatikan-Experte Stefan von Kempis, wie eine Papstwahl vonstattengeht und wie sich die Wahlen über die Jahrhunderte verändert haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2025
Ein Buch zur rechten Zeit hat Stefan von Kempis in den Augen von Rezensent René Schlott geschrieben. Der Vatikan-Insider Kempis beschäftigt sich darin mit der Geschichte der Papstwahl, wobei er freilich keine Insidergeheimnisse preisgibt, sondern sich durch die bestehende Literatur zum Thema arbeitet. Und zwar, beschreibt der Rezensent, in unterhaltsamer, manchmal gar zu hemdsärmeliger Manier. Mit Kempis zählt Schlott anschließend einige interessante Fakten aus der Papstwahlgeschichte auf, zu deren Beginn bestimmten noch Laien über das neue Kirchenoberhaupt, später riss der Klerus die Macht an sich, wobei das konkrete Verfahren oft wechselte, auch der weiße Rauch etwa ist erst ein gutes Jahrhundert alt. Interessant findet Schlott unter anderem, dass Kempis die Papstwahl als einen durch und durch von Menschen geprägten Vorgang darstellt. Was künftige Papstwahlen angeht, wagt Kempis laut Schlott in seinem insgesamt lesenswerten Buch zwar Prognosen betreffend technologischer Innovationen, stellt jedoch auch klar: Nichts Genaues weiß man nicht, fast immer enden die Wahlen mit einer Überraschung.
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