Steffen Bruendel

Volksgemeinschaft oder Volksstaat?

Die 'Ideen von 1914' und die Neuordnung Deutschlands im Ersten Weltkrieg. Dissertation
Cover: Volksgemeinschaft oder Volksstaat?
Akademie Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783050037455
Gebunden, 403 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Die ideenpolitische Debatte der deutschen Intellektuellen bleibt eines der bemerkenswerten Kennzeichen des Ersten Weltkrieges. In allen am Krieg beteiligten Staaten wurde über den Sinn und die Ziele des Krieges diskutiert sowie die Legitimität der eigenen Sache beschworen. Indem die intellektuellen Eliten den Konflikt der Nationen als einen Kampf der Kulturen deuteten, entwickelte sich ein eigener Kriegsschauplatz: der "Krieg der Geister". Die deutschen Intellektuellen empfanden den Krieg als große Katharsis, bot er ihnen doch die Möglichkeit, den Kulturpessimismus der Vorkriegszeit zu überwinden und ihre gesellschaftliche Führungsrolle wieder zu festigen. Außer den Literaten waren es vor allem die Professoren, die den "Kriegsdienst mit der Feder" leisteten. Der Autor des Buches unternimmt es, anhand der von deutschen Gelehrten verfaßten Eingaben, Aufrufe und Schriften die Entstehung und Entwicklung der von ihnen entfalteten und debattierten politischen Ideen nachzuzeichnen und dabei insbesondere die Wandlungen dieser Ideen unter dem Einfluss sich verändernder Kontextbedingungen zu analysieren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.04.2004

Er hätte nicht geglaubt, bekennt Stefan Breuer, dass diesem Thema - die Geschichte der politischen Ideen während des Ersten Weltkriegs und Deutschlands Beitrag dazu - noch neue Aspekte abzugewinnen gewesen wären. Steffen Bruendels Buch, das die alten Quellen einer neuen, unbefangenen Prüfung unterzieht, hat ihn vom Gegenteil überzeugt. Zwar behandele Bruendel mit der kriegspolitischen Gelehrtenpublizistik nur einen Ausschnitt des Themas, doch dies mit solcher Gründlichkeit und analytischen Schärfe, dass sich seine Ergebnisse verallgemeinern lassen könnten. Die bisherige Forschung habe sich zu sehr an die außenpolitischen Aspekte der Debatte gehalten, referiert Breuer die Position des Autors. Außerdem habe es auch unter den deutschen Gelehrten verschiedene Strömungen, ja Lager gegeben, die sich zudem im Laufe des Krieges wandelten. Nur eine von drei politischen Positionen, die bei Bruendel unter "Neuer Nationalismus" firmiert und einen "auf Exklusion ausgerichteten Korporativismus" vertrat, lässt sich als "präfaschistisch" bezeichnen, lautet Bruendels Schlussfolgerung, der Breuer soweit zustimmt. Fazit: die Gelehrtenpublizistik war weit "entwicklungsoffener" als behauptet. Nur Bruendels Umgang mit der Begrifflichkeit "Neuer Nationalismus" stößt bei Breuer auf leise Kritik, da er eigentlich erst in der Weimarer Republik aufgekommen sei und daher genauer gefasst werden müsse.

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