Herausgegeben von Bernd Greiner, Tim B. Müller und Claudia Weber. Ideen haben Konsequenzen - vor allem, wenn Intellektuelle und Experten das Ohr der Mächtigen finden, weil diese fürchten, ihnen könnten die Ideen ausgehen. Auch darum ging es im Kalten Krieg: um eine umfassende Mobilisierung geistiger Ressourcen, um das feindliche Lager im weltweiten Kampf um Macht, Prestige und Einfluss auszustechen. So ist die Konjunktur von Modernisierungs- und Planungstheorien zu verstehen, der Aufschwung von Kybernetik und Länderstudien, von Spieltheorien und anderer Modelle des Konfliktmanagements.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2012
Nicht völlig zufrieden ist Harald Biermann mit diesem Band, der einige Aufsätze zum Themenkreis "Kalter Krieg" versammelt. Ihm ist nicht ganz einsichtig, was zum Beispiel ein Beitrag über den Pepsi-Cola-Pavillon auf der Weltausstellung von Osaka 1970 für einen Zusammenhang mit dem Thema hat. Andere Beiträge greift er jedoch lobend heraus, etwa Stephen V. Bitters Aufsatz über die Dissidenz in der Sowjetunion und ihre Niederschlagung unter Breschnew, Wladislaw M. Suboks Erörterungen über die sowjetischen West-Experten oder zwei Aufsätze von Rebecca Lowen und Alexej Kojewnikow über die Rolle der Universitäten im Kalten Krieg. Sowohl in den USA als auch in der UdSSR, so Biermann, sei es angemessen von einem "militärisch-industriell-akademischen Komplex" zu sprechen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.02.2012
Zeitdiagnostisch relevant findet Thomas Speckmann diesen Band zum Thema geistige Ressourcen im Kalten Krieg mit Beiträgen von insgesamt 25 Historikern. Was das Herausgeberteam vom Hamburger Institut für Sozialforschung hier an Erkenntnissen versammelt, verdeutlicht Speckmann die relative Nutzlosigkeit des ideologisch instrumentalisierten Wissens, der Theorie für die politische Praxis. Dass sowohl die Verfechter wie auch die Kritiker der Kriegsideologien fest an die politische Gestaltungsmacht der Wissenschaften glaubten, wie hier nachzulesen ist, dass ferner sicherheitspolitische Konzepte aus jener Zeit bis heute überdauert haben, stimmt den Rezensenten nicht eben optimistisch.
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