Der Irakkrieg hat Amerika und die Welt stärker aufgewühlt und gespalten als jeder andere militärische Konflikt seit Vietnam. Stephan Bierlings fundierte Darstellung bietet die erste Gesamtschau des Kriegs von seiner dramatischen Vorgeschichte über den Sturz Saddams und die katastrophale Nachkriegsplanung bis hin zur aktuellen Lage. Sein Buch zeigt sehr deutlich, wie sich die Regierung Bush nach den Terroranschlägen vom 11. September in einer Mischung aus Alarmismus, Selbsttäuschung und Allmachtsphantasien in den Krieg gegen den Irak hineinsteigerte, während ihre beiden wichtigsten Rechtfertigungen für den Angriff - die vermeintliche Produktion von Massenvernichtungswaffen und die Konspiration Saddams mit Al Qaida - jeder konkreten Grundlage entbehrten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.02.2011
Überzeugend findet Rezensent Rudolph Chimelli diese Geschichte des Irak-Kriegs von Stephan Bierling. Er schätzt die knappe, aber präzise Darstellung des Politikwissenschaftlers, der den historischen Rahmen, den Ablauf des Kriegs, die Rolle der beteiligten Akteure und die Politik der USA nach Saddam Husseins Sturz beschreibt. Chimelli attestiert dem Autor, akribisch die Verfehlungen von Präsident George W. Bush samt Gefolgschaft zu schildern und die zahllosen Falschaussagen und angeblichen Beweise zugunsten des Kriegsbeginns aufzuzeigen. Auch das planlose, dilettantische amerikanische Vorgehen im besetzten Irak stellt Bierling in seinen Augen detailliert dar. Das abschließende Kapitel scheint dem Rezensenten allerdings etwas zu optimistisch und im Blick auf die Tode, die der Irak-Krieg gefordert hat, kennt er auch andere Erhebungen als der Autor, die zu wesentlich höheren Opferzahlen kommen.
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