Ulrich Tilgner berichtet seit über zwanzig Jahren aus den Krisengebieten im Nahen und Mittleren Osten. Hier legt er ein Buch vor über Schein und Wirklichkeit des "inszenierten Kriegs" im Irak, das die Folgen der Inszenierung bis in die Gegenwart hinein anschaulich macht.
Von eilig produzierten Büchern über den Irak-Krieg, deren Autoren, zumeist Fernsehjournalisten, bloß die Eindrücke vergangener Tage wieder aufwärmen, hält Ulrich Ladurner nicht all zu viel. Eindeutig ausnehmen von seiner Schelte möchte der Rezensent jedoch das Werk des ZDF-Korrespondenten Ulrich Tilgners, der "Bescheidenheit und Zurückhaltung" demonstriere und seinen Blickwinkel nicht überschätze. Ladurner attestiert ihm Stoffkenntnis und Wissen; die Perspektive auf das Gesamtbild gehe nie verloren. Mit diesem Buch habe Tilgner aufgezeigt, dass "seriöses journalistisches Handwerk" in Zeiten der gezielten "Desinformation und Manipulation" dringender denn je benötigt wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Wie Thomas Speckmann berichtet, hat der Korrespondenten Tilgner, der während des Irak-Krieges für das ZDF aus Bagdad berichtete, in diesem Buch nun versucht, "anhand neuer Recherchen und Gespräche mit irakischen Militärs, Waffeninspektoren, Diplomaten und Mitarbeitern von Hilfsorganisationen" die Hintergründe des Feldzuges zu analysieren und die wahren Gründen für die Invasion darzulegen. Nach Auskunft des Rezensenten gelingt Tilgner dieser "Rollenwechsel vom Augenzeugen zum Analysten" jedoch "nicht recht", seine Schlussfolgerungen findet Speckmann oft zu oberflächlich. Wenn Tilgner beispielsweise erklärt, Kriegsziel der USA sei es gewesen, "den Irak-Handel langfristig zu dominieren", so könnte man dagegen halten, so unser Rezensent, dass die Aufhebung der Sanktionen denselben Zweck erfüllt hätten, "ohne das Risiko eines Krieges". Alles in allem findet Speckmann hier "wenig Aufschlussreiches über den Charakter des amerikanischen Engagements zwischen Euphrat und Tigris".
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