Aus dem Amerikanischen von Doris Akrap. Punk ist jüdisch? "Die Heebie-Jeebies im CBGBs" wagt einen völlig neuen Blick auf die Geschichte des amerikanischen Punk. Der US-amerikanische Autor und Publizist Steven Lee Beeber untersucht erstmals die Entstehung der amerikanischen Punkbewegung mit Blick auf den jüdischen Background der wichtigsten Protagonisten wie Tommy und Joey Ramone, Lou Reed, Richard Hell oder Jonathan Richman. Sie alle gehörten der ersten Generation amerikanischer Juden an, die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgewachsen ist. Punk wurde zu ihrer Form der Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. "Im New York Punk spiegelt sich die jüdische Geschichte von Unterdrückung und Unsicherheit, Flucht und Migration, gleichzeitig drinnen und draußen, gut und schlecht zu sein. Diese Musik drückt das Gefühl der Post-Holocaust-Generation aus, das Gefühl, immer am falschen Ort zu sein", so Beeber in einem Interview.
Julian Weber begrüßt Steven Lee Beebers Buch über den jüdischen Hintergrund des Punk. Scheint ihm die These des Autors über die jüdischen Wurzeln des Punk zunächst noch etwas überraschend, findet er sie bald recht überzeugend. Im Mittelpunkt steht seinen Informationen zufolge die New Yorker Punkszene der 1970er Jahre mit Bands und Musikern wie den Ramones, den Dictatores, Suicide, Lou Reed und Richard Hell. Von vielen Akteuren wusste er bis zur Lektüre des Buchs nicht, dass sie Juden sind. Deutlich wird für ihn, wie die Welt der Unterhaltungskultur von den jüdischen Besitzern von Musikclubs und Impresarios in New York geprägt wurde. Er attestiert Beeber, eingehend zu zeigen, wie die Protopunks der 70er Jahre in ihren Texten bewusst und unbewusst ihre jüdische Herkunft und auch die Geschehnisse der Shoah verarbeiteten. Webers Fazit: ein Buch, das "neue Perspektiven" eröffnet, "die auch zu einem differenzierteren Verständnis von Punk beitragen könnten".
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