Zehn Jahre ist es her, dass der Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg die Öffentlichkeit erschütterte und die katholische Kirche in Deutschland in eine tiefe Krise stürzte. Matthias Katsch ist einer der Betroffenen, die 2010 die Fälle aktiv öffentlich gemacht haben. Seitdem streitet er um Aufklärung, Hilfe und Entschädigung für die Opfer sexuellen Missbrauchs. Doch was wurde erreicht? Erstmals erzählt er, wie es ihm persönlich gelang, das Schweigen zu durchbrechen und seine Geschichte öffentlich zu machen, und zieht nach zehn Jahren des Kampfes Bilanz. Ein Aufruf zum Handeln: Damit es aufhört.
"Damit es aufhört" ist kein bloßer Opferbericht, betont Rezensentin Nina Apin, sondern eine Analyse des gesellschaftlichen Umgangs mit kirchlichen Missbrauchsfällen, ein literarischer Befreiungsschlag und ein Appell an Politik und Öffentlichkeit. Matthias Katsch, der am Canisius-Kolleg selbst missbraucht wurde, erzählt zum Beispiel von Pater R., der den Schülern Onanie unter Aufsicht und Anleitung als Sündenstrafe aufzwang, der in einigen Fällen auch physisch übergriffig wurde, der seine Schüler schlug und drangsalierte. Katsch beschreibt seinen Fall sehr ausführlich und direkt, was einige Leser schockieren mag, vermutet Apin, die diese Detailliertheit jedoch als Stärke sieht. Stark findet sie außerdem, dass Katsch eben nicht nur vom Missbrauch und seinen Folgen berichtet, sondern auch vom Aufbegehren - von der Solidarisierung, von Demonstrationen, von der Gründung eines Vereins, von Erfolgen und von Niederlagen im Kampf gegen die übermächtige Kirche. Sein Ruf nach Gerechtigkeit und nach Reformationen im Verhältnis zwischen Kirche und Staat hat bei der Rezensentin einen dringenden Wunsch nach Veränderung hinterlassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2020
Rezensentin Hannah Bethke lässt sich von Matthias Katsch die Missbrauchserfahrungen schildern, die er als Schüler im Canisius-Kolleg erleiden musste. Es geht um den Teufelskreis von Schuld, Scham, Versagensängsten und Erlösung im Namen Gottes, erläutert Bethke. Die strukturellen Verhältnisse, die den systematischen Missbrauch der Schüler durch die Patres ermöglichten, werden für Bethke deutlich, ebenso die lebenslangen Folgen, mit denen die Opfer zu kämpfen haben. Katsch ist laut Rezensentin "kein versierter Autor", sondern liefert eher persönliche Notizen. Ein wichtiges Zeugnis eines Betroffenen und eine lesenswerte Kritik an Zölibat und autoritären Strukturen in der katholischen Kirche ist der Band für sie aber allemal.
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