Susan Fletcher

Eve Green

Roman
Cover: Eve Green
Berlin Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783827005533
Gebunden, 350 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Stefanie Schaffer-de Vries. Nach dem Tod ihrer Mutter wird die achtjährige Eve ins ländliche Wales gebracht, auf die Farm ihrer Großeltern. Das Dorf ist ein schattiger, winderfüllter Ort, wo jemand ihr Blumen vor die Tür legt und die Leute sie misstrauisch betrachten. Es gibt ein Geheimnis in der Geschichte ihrer Mutter, und sie versucht, dieses Rätsel zu lösen. Dann aber stößt sie das Verschwinden eines Mädchens in eine viel tiefere Dunkelheit. Im Rückblick erzählt von der erwachsenen, nun schwangeren Eve Green, zeichnet dieser leidenschaftliche Roman ein unvergessliches Bild eines zerrissenen Dorfes, eines Verbrechens, für das ein unschuldiger Mann büßt. Eves eigener Zorn, ihre unterdrückte Trauer um die Mutter, ihre Freundschaft zu einem scheuen Herumtreiber, hindern sie, das Verbrechen aufzuklären. Sie findet den Mann ihres Lebens, aber sie bringt ein paar harte Lektionen hinter sich - über Vertrauen, Schuld und Lüge und darüber, wie man überlebt, wenn die Liebe aus dem Leben verschwunden ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.07.2005

Recht angetan zeigt sich Ulrich Sonnenschein von Susan Fletchers Romandebüt , für das die britische Autorin zu Recht den begehrten Whitbread First Novel Award bekommen habe. "Eva Green" ist laut Sonnenschein ein "bedächtiges Buch" - der Roman wisse um die Kraft seiner Geschichte und gebe ihr Zeit. Insofern zählt Sonnenschein Fletcher zu den jungen englischen Autoren, die das Erzählen pflegen, ohne dabei in einen "simplen Abbild-Realismus" zurückzufallen. Die Geschichte um Eva Green, die als Achtjährige ihre Mutter verliert und auf einer kleinen Farm in Wales bei ihren Großeltern aufwächst, wo sie mit Geheimnissen und Untiefen der Familiengeschichte konfrontiert wird, entpuppt sich für Sonnenschein als "klassischer Bildungsroman", der sich freimütig bei der Romantik bediene und mit seiner "anschaulichen Sinnlichkeit" ein "hohes Maß von Authentizität" erreiche. Sonnenschein vergleicht das Buch schließlich mit einem Puzzle. Für die einen bestehe der Reiz darin, die Steine zusammenzufügen und zu sehen, wie das Bild langsam wachse, für die anderen liege die Faszination vor allem in dem fertigen Bild, das sich aus den Einzelteilen als neue Einheit herausbilde. Green lasse die Anhänger beider Schulen zu ihrem Recht kommen, resümiert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.04.2005

Nicht besonders angetan ist Judith Leister von diesem englischen Debütroman, der immerhin den Whitbread First Novel Award erhalten hat. Unausgereift findet ihn die Rezensentin, "grün" hinter den Ohren wie der Name der Protagonistin dieses naturverbundenen Romans, der in das ländliche Wales eintaucht und in der selbstbewussten und unkonventionellen Eve Green eine Nachfolgerin von Jane Eyre und anderen Bronte-Heldinnen gefunden hat - bloß nicht so protestantisch und weniger anämisch, meint Leister. Sinnlichkeit, Anschaulichkeit, Authentizität seien wohl das Ziel der Autorin gewesen, vermutet die Rezensentin, aber leider lege sich Fletcher teilweise so naiv und üppig ins Zeug, dass "einem bald Hören und Sehen, Riechen und Schmecken und alles andere vergeht", beschwert sich Leister. Sie wünscht Fletcher aufrichtig eine Sprachkrise a la Hoffmannsthal, damit ihr die Worte, zitiert sie den Dichter, "wie modrige Pilze im Munde" zerfallen. Ansonsten sei auch die Figurenzeichnung zu schematisch, schließt Leister ihre Mängelliste, die moralischen Argumentationen zu simpel, und dem ganzen Buch fehle es überhaupt an Ironie. Da bleibt nicht viel.
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