Abraham Geiger war einer der wesentlichen Former des Judentums nach der Aufklärung mit Wirkung bis in die Gegenwart. Wenige wissen, dass er der erste Rabbiner war, der das Neue Testament als historische Quelle analysierte. Damit hat er die spätere jüdische Forschung zu Jesus und zum Christentum maßgeblich angestoßen. Für ihn ist Jesus eine Gestalt innerhalb des pharisäischen Judentums, das Christentum die Abkehr von der ursprünglich jüdischen Botschaft. Damit begründet Geiger die jüdische Position gegen das vielfach antisemitische Judentumsbild der christlichen Theologie heute. Susannah Heschel zeigt eindrücklich: Das liberale Judentum des 19. Jh. ist nicht ein Produkt der Assimilation in die christlich,deutsche Gesamtgesellschaft. Es bietet eine profunde Definition jüdischer Identität auf wissenschaftlicher Grundlage...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.12.2001
Friedemann Voigt äußert sich durchaus zustimmend zu der Studie, die sich mit dem Werk des im 19. Jahrhundert tätigen jüdischen Theologen und Historikers Abraham Geiger beschäftigt. Er lobt die Autorin für ihr "diskursanalytisches Verfahren", mit dem sie kenntnisreich "Zusammenhänge" freigelegt hat, die sonst gern "abgeschwächt oder geglättet" werden. Allerdings geht Voigt die in der Studie geäußerte These von der "protestantischen Flucht vor dem historischen Jesus", die schon Geiger vertreten hat, zu weit, und er mag darin der Autorin nicht folgen.
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