'Was war mit Pechmarie?' Meine Stimme klingt ganz komisch, hoch und dünn. Marc sieht mich an, als ob ich langsam von ihm wegreisen würde. Jede Zehntelsekunde einen Meter. Oder jede Tausendstelsekunde hundert Kilometer. Jedenfalls bin ich schon fast in Südamerika, als er endlich antwortet.
Kann man sein Leben ändern, indem man sich spontan 'Marie' nennt? Weil man keine Lust mehr hat auf dieses Klapp-Leben, auf die ständigen Umzüge mit geistig abwesender Mutter und einem süßen, aber durchgeknallten kleinen Bruder, während Papa am anderen Ende der Stadt mit seiner neuen Familie auf Heile-Welt-mit-Eigenheim macht? Und was ist, wenn dieser neue Name eine finstere Vergangenheit besitzt, die jeder kennt, nur man selbst nicht?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2018
Fridtjof Küchemann beginnt in Susanne Fischers Jugendroman mit einem Kammerspiel und endet in einem Krimi. Die Geschichte einer dysfunktionalen Familie in der Abstiegsspirale garniert die Autorin laut Rezensent mit bissigem Witz und großem Herz. Leider verliert sie laut Küchemann irgendwann das Interesse für ihre in einem Spannungsfeld aus Freundschaft, Verdacht und Verantwortung gefangene Heldin und widmet sich lieber einem Gewaltexzess. Rasant, findet Küchemann, aber leider nicht sehr tief. Die emotionale Entwicklung der Figuren bleibt auf der Strecke, meint er.
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