Während der Reichspogromnacht 1938 wird auch die Konditorei des Ehepaars Finkelstein zerstört. Als Frau Finkelstein aktiv wird und es nicht nur schafft, den Vater aus der Schutzhaft zu holen, sondern auch Tickets erster Klasse für eine Schiffspassage nach Shanghai zu ergattern, macht sich das Ehepaar mit seiner Tochter Inge auf in eine ungewisse Zukunft. Was für ihre Eltern ein Schrecken ist, ist für Inge das große Abenteuer: Während die Eltern in Schanghai ums Überleben kämpfen, erobert sie mit ihrem Freund Sanmao die Stadt, die Menschen und die Sprache. Dann endlich ist der Krieg aus. Finkelsteins atmen durch und schöpfen Hoffnung. Sie zögern nicht lange und verlassen China, sobald es ihnen möglich ist, in Richtung Australien. Wieder steht Inge am Kai und winkt einem Schiff nach. Sie wird in Shanghai bleiben, zusammen mit ihrem "Halb drachen" Sanmao.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2012
Berührt hat Rezensent Steffen Gnam Susanne Hornfecks neuen Roman "Torte mit Stäbchen" gelesen, in dem die Sinologin anhand von Interviews und Biografien den Emigrantenalltag im jüdischen Exil in Schanghai schildere. Der Kritiker begleitet hier die zunächst neunjährige Halbjüdin Inge Finkelstein, die mit ihren Eltern 1938 nach Schanghai flieht und dort nicht nur - insbesondere durch zahlreiche Gespräche - eine fremde Welt jenseits westlicher Ideologien erlebt, in der sie bald für ihre Eltern die Vermittlerrolle übernimmt, sondern im Laufe der Jahre in der neuen Kultur immer mehr ankommt und erwachsen wird. Neben interessanten Einblicken in Chinas Schrift und Kulturweisheit schätzt der Rezensent in diesem Roman auch, wie sich menschliche Extremsituation und "Momente des Atemholens" von den Kriegskatastrophen in Schanghais Getto abwechseln.
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