Auf offener Straße brutal überfallen, in vertrauter Umgebung betäubt und entführt oder durch perfide Täuschungen auf DDR-Gebiet gelockt und rechtswidrig festgehalten. Etwa 400 Menschen teilen ein Schicksal: Sie wurden in den 1950er und 1960er Jahren aus der Bundesrepublik und vor allem aus West-Berlin in die DDR verschleppt und dort inhaftiert. Viele kehrten erst nach Wochen, Monaten oder gar Jahren aus der DDR-Haft zurück. Manche verschwanden für immer. Verantwortlich für die Entführungsaktionen war in erster Linie das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), das anfangs unter Anleitung des sowjetischen Geheimdienstes agierte. Es ist ein unbekanntes Kapitel der deutschen Teilungsgeschichte. Auf Grundlage zahlreicher MfS-Akten und bundesdeutscher Unterlagen analysiert die Studie die Mechanismen und Funktion der Entführungspraxis des MfS.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2015
Nach dieser Lektüre hat Hanns Jürgen Küsters keinen Zweifel mehr über die Menschenverachtung der SED-Diktatur. Susanne Muhles Studie scheint ihm schon wegen dieser Einsicht wichtig. Beweise für Mordszenarien gegen vermeintliche Widersacher bietet ihm Muhle zuhauf. Was die Autorin anhand von MfS-Akten und Prozessmaterial aus den 50er Jahren rekonstruiert, offenbart dem Rezensenten Planung, Tathergänge und Ermittlungen in 50 Fällen, Rekrutierungsmuster, Täter und Motive.
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