Fromme Muslime, so steht es in einem Koranvers, sind "Gott näher als der eigenen Halsschlagader". Sie widmen sich in besonderem Maß ihrer Religion, verstehen das Diesseits nur als Übergangsstadium zum ewigen Leben im Paradies und versuchen die Gebote Gottes im Alltag einzuhalten. Über dieses konservative Segment des deutschen Islams, das oft als fundamentalistisch eingestuft wird, existiert nahezu kein verlässliches Wissen. Susanne Schröter hat drei Jahre lang in Wiesbadener Moscheegemeinschaften geforscht und gibt in diesem Buch einen einmaligen Einblick in das Leben und die Gedankenwelten streng gläubiger Muslime. Darüber hinaus zeigt sie, mit welchen Programmen eine ganznormale deutsche Stadt sich seit Jahrzehnten um Integration bemüht.
Vor dem Hintergrund aktueller Debatten um den Islam begrüßt Rezensentin Eva Berger Susanne Schröters ethnologische Studie über das Selbstverständnis frommer Musliminnen. Dass Schröter auf Zuschreibungen von Außen verzichtet und anhand teilnehmender Beobachtungen und Einzelgespräche die Studienteilnehmerinnen aller Altersstufen und Bildungsgrade selber zu Wort kommen lässt, hält die Rezensentin für die methodisch richtige Herangehensweise, um Verallgemeinerungen zu vermeiden. Zu ihrem Bedauern muss die Kritikerin allerdings feststellen, dass den hier abgebildeten, verschiedenen Lebensrealitäten eine von den Frauen selbst - wenn auch "in gewundenen Argumentationen" - bekräftigte patriarchale Grundüberzeugung zugrunde liegt. Dass sich diesbezüglich insbesondere die jüngere Generation hervortut, nimmt Berger mit Sorge zur Kenntnis. Ihr ernüchtertes Fazit: Für den Feminismus ist der Islam, den Sehnsüchten mancher linker Milieus zum Trotz, verloren.
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