Amtsberg zielt mit seinem Erzählen auf fremdes, schillerndes Terrain: die Frauen. Die sind rätselhaft, unberechenbar, leidenschaftlich, normal, hässlich, fröhlich - aber immer fremd. Der Erzähler lässt sich mit den Mädchen ein, sucht und sammelt wie ein Schmetterlingsjäger alle Exemplare und betrachtet sie im Licht des Alltags. Ein Alltag im Hamburg der neunziger Jahre, der bei aller abgeklärten Kühle von einer neoromantischen Sehnsucht durchzogen ist.
Was bitte ist das "Hamburger Dogma"? Dessen Verfassern und ihren Formalisierungsgeboten steht der Autor nahe, behauptet Nikolaus Stemmer. Namen erfahren wir nicht, wohl aber, dass es sich bei Sven Amtsbergs Buch im Ergebnis um eine Kurzprosa handelt, die beim Rezensenten den Eindruck gewollter Beiläufigkeit erweckt; wobei er kritisch hinterherschickt, sie wirke doch eher aufgesetzt als beiläufig. Stemmer hat das "Mädchenbuch" nicht gefallen. Vielleicht, weil Amtsbergs Mädchen fast alle Monster sind, wie der Rezensent behauptet. Die Jungen kommen allerdings nicht besser weg, versichert er. Ernst nehmen mag Stemmer das Buch nicht, das mit Frauen- oder Beziehungsfragen nichts zu tun habe. Alles soll möglichst grotesk und krude wirken, erklärt der genervte Stemmer und bemängelt, dass der Autor sein Material nicht wirklich erzählerisch strukturiert, sondern bloß "Stimmungen gestaltet", das Material montiert hat. Mädchen als reine Erzählgegenstände sind jedenfalls nicht nach seinem Geschmack. Die tun dann ständig "Dinge mit Wasser in der Küche", mokiert sich Stemmer über das fortlaufende Dingeling im Text.
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