Sven Reichardt

Authentizität und Gemeinschaft

Linksalternatives Leben in den siebziger und frühen achtziger Jahren
Cover: Authentizität und Gemeinschaft
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783518296752
Kartoniert, 1018 Seiten, 29,00 EUR

Klappentext

"Ganzheitlichkeit" oder "Selbstverwirklichung" Begriffe wie diese gehören zum typischen Vokabular des linksalternativen Milieus in der Bundesrepublik der 1970er und frühen 1980er Jahre. Sven Reichardt legt eine Kultur- und Sozialgeschichte dieser Lebenspraxis vor und blickt in sämtliche Bereiche: Arbeiten und Wohnen, Sexualität und Körpertechniken, Drogen und Spiritualität sowie Erziehung und Öffentlichkeitsarbeit. Mit einem foucaultschen Instrumentarium analysiert er den komplexen Habitus und deutet ihn als kollektiven Modus der Selbstveränderung. Eine spannende Reise in die jüngste Vergangenheit.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.06.2014

Nicht noch ein Buch über die Folgen von '68, stöhnt Rezensent Mathias Greffrath - allerdings nur vor der Lektüre der nun unter dem Titel "Authentizität und Gemeinschaft" herausgegebenen Habilitationsschrift von Sven Reichardt. Amüsiert, nicht zuletzt dank schrecklich-schöner Erinnerungs-Anekdoten, aber auch interessiert liest der Kritiker auf 1018 Seiten Geschichten aus Wohngemeinschaftsküchen und psychonanalytisch inspirierten Kinderläden, erinnert sich an strickende Männer und Diskussionen über "kommerzialisiertes Triebleben" und verfolgt, wie einstige alternative Lebensentwürfe von der Lebensstil-Industrie "herunterökonomisiert" wurden. Ein intellektuelles und lehrreiches Buch, das erfreulich viele Lesarten der 68er anbietet, meint der Rezensent, der allerdings mit der "Gewichtung der frühen Ökobewegung" nicht ganz zufrieden ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2014

Mit dem Zeithistoriker Sven Reichardt kann Michael Rutschky erschöpfend die Geschichte linksalternativer Lebensformen im Deutschland der 70er und 80er rekapitulieren. Von den Wohngemeinschaften über die Kneipenkultur bis zur Frauenbewegung und einer neuen Sexualität folgt Rutschky dem Autor dabei, Deutungs- und Handlungsmuster zu erkennen, die sich, so der Rezensent, gegen Kapitalismus, Staat und bürgerliche Gesellschaft, aber ebenso gegen die Frankfurter Schule wendeten. Dass der Autor es nicht vermissen lässt, auch die Kämpfe innerhalb der linksalternativen Milieus auszubreiten und ihre Herkunft aus der bürgerlichen Mittelschicht zu betonen, scheint dem Rezensenten nachvollziehbar. Am Ende der Lektüre weiß er, wer die Neue Bürgerlichkeit ins Leben gerufen hat, nicht das Proletariat, die Bohème ist es gewesen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.05.2014

Mit viel Lob bedenkt Jens Bisky diese umfangreiche Kulturgeschichte des linksalternativen Milieus der 70er und 80er Jahre, die Sven Reichardt vorgelegt hat. Er sieht in diesem Buch eine "große Synthese", die das linksalternative Leben mit seinen politische Theorien, seiner Alternativpresse, "Projekten", seinen Wohngemeinschaften, Kommunen, Szenekneipen, Buchläden, seiner Sprache, Kleidung usw. zusammenfasst - und zwar jenseits von Bashing oder Glorifizierung. Dabei zeichnet sich das Werk für Bisky durch Nüchternheit, Materialfülle, Methoden-Synkretismus und Perspektivenreichtum aus. Das Fazit des Rezensenten: wer sich für das linksalternative Leben in der BRD interessiert, muss zu diesem Buch greifen, denn es ist ein "Glücksfall".

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