Nichts ist heutzutage so wenig selbstverständlich wie die Liebe, und nichts wird mit so vielen Erwartungen und Hoffnungen auf Sinn beladen wie eben sie. Da sie in unserer technisierten und verwalteten Welt zum einzigen Freiraum für den Einzelnen geworden ist, suchen die Menschen dort weniger die Beziehung zum anderen als vielmehr die vollkommene Selbstverwirklichung. Da die Liebe keinen gesellschaftlichen Regeln und Bräuchen mehr zu dienen braucht, da sie nicht mehr politischer und ökonomischer Vernunft gehorchen muss, ist ihre Basis das Schwankendste und Vergänglichste überhaupt geworden, das bloße Gefühl. Zwischen Privatleben und Gesellschaft findet, was die Liebe anbelangt, kein Austausch mehr statt. In den neunzehn Kapiteln von Umberto Galimbertis Leitfaden geht es um Begehren, Geld und Einsamkeit, um Idealisierung, Verführung und Scham oder um Verrat und Eifersucht, und so wird der Dschungel der Liebe Stück für Stück gelichtet. Dabei lässt Galimberti gleichzeitig durch viele Zitate und Hinweise die Geschichte der Auseinandersetzung mit der Liebe Revue passieren, von Platon und Rousseau bis zu Freud und Sartre.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.12.2006
Enormer Geistesreichtum und lauter neue Gedanken über ein Thema, von dem man meinen könnte, es sei bereits alles darüber gesagt, begeistern Rezensentin Franziska Sperr an diesem Buch des italienischen Psychoanalytikers. Etwas unangenehm stößt ihr nur der deutsche Titel des im italienischen Original "Le Cose Dell?amore" betitelten Werks auf. Damit schiele der Verlag wohl auf den lukrativen Markt der Ratgeberliteratur, mutmaßt die Rezensentin. Ansonsten hat sie sich jedoch höchst interessiert und angeregt durch die verschiedenen Facetten der Liebe gearbeitet, die vom Autor unter geistesgeschichtlichen, philosophischen, psychologischen und religiösen Gesichtspunkten unter die Lupe genommen wurden. Dabei fand sie die Abgründe der Liebe ebenso ausgeleuchtet wie ihre gesellschaftskonstituierenden Elemente.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2006
Die Liebe hat gewonnen, frohlockt Rezensentin Julia Bähr, über die Schwächen der Sprache im Allgemeinen und Umberto Galimbertis Sprache im Besonderen. Neben verquast umständlichen Sätzen im entrückten Zustand ekstatischer Liebesbeschreibung gebe der Autor beispielsweise auch eine "abgelatschte" These zum Besten wie die von der apriorischen Selbstliebe in der Liebe zum Anderen. Immerhin verzichte Galimberti auf jedwede Ratschläge, und auch die vielen Weisheiten von Augustinus bis zu chinesischen Weisen , die ausgiebig zitiert würden, laden zumindest sie zu häufiger Lektüre ein, so ihr versöhnliches Fazit zu diesem im Endeffekt wohl doch liebenswerten Buch.
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