Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518432761 Gebunden, 200 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss. Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen haben, bis in die Gegenwart und Landschaften hinein, das macht Svenja Leiber in ihrem neuen Roman sichtbar. Sie erzählt von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.02.2026
Als Nachgeborene über die NS-Zeit, ihre Täter und Opfer zu schreiben, ist keine leichte Aufgabe, weiß Rezensent Carsten Hueck. Wessen Geschichten werden erzählt und aus welcher Perspektive, welches Wissen bekommt wieviel Gewicht? Svenja Leiber stellt sich diesen Fragen verantwortungsbewusst und meistert die Herausforderung mit Bravour, so Hueck. Scharfsinnig, mit großer Klarheit und zugleich voll Sorgfalt und Achtsamkeit erzählt sie die Geschichte von Nelka und Merten: Nelka, die als Mädchen nach Deutschland deportiert wurde, um hier auf Mertens Hof Zwangsarbeit zu leisten. Dabei beweist die Autorin ein besonderes Gespür für Details, für feine, sprechende Bilder, die Geschichte transportieren, ohne dass es große Worte braucht. Das vermeintlich Private und das Öffentliche sind hier nämlich so eng miteinander verzahnt, dass sie sich kaum trennen lassen, erklärt Hueck. Und doch geht es Leiber nicht darum, abzurechnen, sondern darum zu bewahren. "Nelka", so schließt der Rezensent, schreibt Weltgeschichte, voll "poetischer Leidenschaft".
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