Die Geschichte von Sofia
Das Amadoka-Epos 3

Residenz Verlag, Salzburg 2024
ISBN
9783701717651
Gebunden, 688 Seiten, 35,00
EUR
Klappentext
Aus dem Ukrainischen von Alexander Kratovil und Maria Weissenböck. Im Zentrum der Intelligentsia im Kiew der 20er-Jahre stehen der Dichter Mykola Zerow, seine schöne Frau Sofia und deren Geliebter, der mysteriöse Autor, Wissenschaftler und sowjetisch-deutsche Doppelagent Wiktor Petrow. Doch unter dem Stalinismus wird die "Sowjetukraine" nicht nur Opfer einer mörderischen Hungersnot, auch das blühende literarische Leben wird gnadenlos vernichtet. Als Zerow 1934 verhaftet und 1937 von Stalins Schergen erschossen wird, spielt Petrow eine zwielichtige Rolle. In der "Geschichte von Sofia", dem abschließenden Band des Amadoka-Epos, führt Andruchowytsch alle Fäden der großen Trilogie zusammen und zeigt, dass wir die Gegenwart der Ukraine nur verstehen können, wenn wir ihre Geschichte kennen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2025
Gerne lässt sich Rezensent Jörg Plath von der überbordenden Erzählfantasie Sofia Andruchowytschs "berauschen": Bei dieser erzählerischen Fülle kommen sogar Lektoren durcheinander, merkt der Kritiker mit Blick auf einen Fehler im Klappentext an. Im dritten Teil ihres "Amadoka-Epos" geht es um das Schicksal der Ukraine nach dem Zweiten Weltkrieg, um die erneute Eingliederung der Ukraine in die Sowjetunion und die Ermordung ukrainischer Intellektueller durch das Sowjet-Regime. Es geht aber auch noch um ganz vieles anderes, verrät der Kritiker, die Geschichte beginnt als Familienroman und wird dann "zum modernen, kritischen Nationalepos". Die komplexe Handlung kreist um die drei Frauen Romana, Uljana und Sofia - der Geliebte letzterer wird im Laufe der Handlung vom KGB gezwungen, als Doppelagent für Russen und Deutsche zu spionieren. Dabei springt die Autorin ziemlich wild in kurzen Episoden zwischen Zeiten, Orten und Erzählperspektiven, so Plath. Der Anspruch war auch, die Perspektiven von Minderheiten miteinzubeziehen, deshalb wird auch von der jüdischen Bevölkerung oder deutschen Siedlern erzählt. Ein Werk von solchem Ausmaß hätte leicht scheitern können, meint der Rezensent, aber hier ist ein literarisches Kunststück gelungen, das zudem von Alexander Kratochvil und Maria Weissenböck "meisterhaft" ins Deutsch übertragen wurde. Lediglich manche erzählerischen Sprünge sind dem Kritiker ein wenig zu "halsbrecherisch" - beeindruckt ist er aber allemal auch vom dritten Band des Epos.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.10.2024
Das klingt kompliziert: Ganz abstrakt zusammengefasst erzählt Sofia Andruchowytschs Roman ein wichtiges Kapitel der ukrainischen Geschichte aus der Zeit des Großen Terrors, folgt man der Rezension von Olga Hochweis. Hauptfiguren sind Sofia Serova, Ehefrau des von Stalin 1937 zusammen mit mehreren hundert ukrainischen Intellektuellen hingerichteten Dichters und Altphilologen Mykola Serov, sowie der Schriftsteller, Philosoph und Historiker Viktor Petrov, der Serova seit den 1930er liebte und später heiratete, mit den Nazis kollaborierte und später als ehemaliger Geheimagent des NKWD ein ehrenvolles Leben in der Sowjetunion führte. Soweit der Mittelteil, erklärt Hochweis, der von zwei Rahmenhandlungen umfasst ist, die mit der Hauptgeschichte - wenn überhaupt - nur lose verbunden scheinen. Doch das sollte den Leser nicht stören, denn am Ende entsteht geradezu thrillerartig ein Gesamtbild, versichert die beglückte Rezensentin. Sie bewundert den Erfindungsreichtum und die Sprache Andruchowytschs und zieht den Hut vor den Übersetzern Alexander Kratochvil und Maria Weissenböck. "Virtuos", schwärmt sie.