Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Kemp. Walker Evans (1903-1975) gehört heute zu den "Heroen" der amerikanischen Fotografie - und ist mit fünf bisher erschienenen Titeln fester Bestandteil des Schirmer/Mosel-Verlagsprogramms. Der eher schwierige Einzelgänger und Bewunderer Flauberts wollte ursprünglich Schriftsteller werden. Erst gegen Ende der 1920er Jahre begann er sich nach einem Studienjahr in Paris ernsthaft mit Fotografie zu beschäftigen. Die Große Depression nach dem Börsencrash von 1929 und Roosevelts New Deal-Hilfsprogramme für die verarmte Landbevölkerung boten ihm schließlich Gelegenheit und vor allem die Motive, seine künstlerischen Ambitionen an einer sozial brisanten Aufgabe zu erproben: Was Walker Evans der Bundesbehörde nach zwei Jahren Arbeit in den "rural slums" der Südstaaten vorlegte, sollte sich langfristig als der bedeutendste Beitrag Amerikas zur sozialdokumentarischen Fotografie des 20. Jahrhunderts erweisen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.04.2022
Rezensent Tobias Lehmkuhl kann Svetlana Alpers nur zustimmen, wenn sie in der neuen Biografie von Walker Evans schreibt, dass seine Fotografien Amerika überhaupt erst erfunden haben. Die Kunsthistorikerin erzählt darin in mehreren Kapiteln die Lebensgeschichte, teilweise in Form von Essays, zeigt Bilder des Fotografen hochwertig gedruckt und beschreibt seine Arbeitsweisen sowie die verschiedenen Stationen seiner Karriere, erklärt Lehmkuhl. Die deutsche Übersetzung durch den Kunsthistoriker Wolfgang Kemp kann den Rezensenten allerdings leider nicht überzeugen, da sie sich an vielen Stellen mühevoll und unverständlich lese. Das macht es für den Kritiker schwer, Alpers' Text zu beurteilen, doch er meint zu erkennen, dass sie "lieber etwas auf trockene Begriffe bringt" anstatt in Walker Evans'scher-Manier zu zeigen, was man sieht, schließt er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2021
Rezensent Bernd Stiegler lernt mit der Kunsthistorikerin Svetlana Alpers, was es heißt, mit der Kamera zu denken und als Künstler zu verschwinden. Wenn Alpers sich dem Fotografen Walker Evans und seinem Werk zuwendet, ihn in Beziehung zu Flaubert und Baudelaire stellt und feststellt, dass der Künstler Amerika im Augenblick seines Verschwindens ablichtet, gerät Stiegler ins Staunen. Evans' Kunst als Fotografie "in the making", wie Stiegler es nennt, hätte die Autorin allerdings an Bildbeispielen prominenter belegen dürfen, findet der Rezensent.
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