Aus dem Amerikanischen von Britta Mümmler. Gerade entdeckt Toby Fleishman mit 40 Jahren ein aufregendes neues Leben als heiß begehrter Single, als seine Exfrau Rachel mitten in der Nacht die gemeinsamen Kinder bei ihm ablädt und verschwindet. Solly und Hannah haben Terminkalender wie Topmanager, im Job häufen sich die Probleme - und bei den Frauen, die er über Dating-Apps trifft, findet er statt Trost und Nähe nur unverbindlichen Sex. Und Rachel meldet sich einfach nicht. Weil sie die Karriere über ihre Kinder stellt. Weil ihr der Lebensstil an der Upper East Side immer schon wichtiger war als die Familie. Zumindest ist das die Geschichte, die Toby sich erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.09.2020
Rezensentin Laura Weißmüller amüsiert sich durchaus gern über New Yorks Upperclass, mit der Joan Didion oder Truman Capote so "kunstvoll abrechnen" konnten. Den Society-Roman der New-York-Times-Autorin Taffy Brodesser-Akner findet sie dagegen quälend langweilig. Endlos liste Brodesser-Akner die Attribute auf, mit denen sich der New Yorker Geldadel umgibt, ohne dass dabei mehr entstehe als ein Wimmelbild aus Luxusmöbeln und Tanktop-Sprüchen. Die flachen Witze und penetranten Sprüche gehen der Rezensentin bald ebenso auf die Nerven wie die feministische Attitüde der Autorin, deren weiblichen Figuren es eigentlich nur darum gehe, mit einem tollen Körper einen Mann zu ergattern. Das sei echte "Macho-Literatur", schimpft Weißmüller, die auch kein Mitleid mit einem bestens bezahlten New Yorker Arzt haben möchte, dessen größtes anzunehmendes Unglück in einer Scheidung besteht.
Lustig und traurig zugleich findet Sarah Pines Taffy Brodesser-Akners Debütroman. An jüdisch-neurotische Roth-Helden anknüpfend, erzählt die Autorin laut Pines die Geschichte eines Familienvaters zwischen bürgerlichen Genüssen und wildem, schmutzigem Online-Dating. Den Topos der kaputten Ehe behandelt der Text allerdings alles andere als resignativ, stellt Pines erfreut fest, der promiske Held weckt bei ihr kein "neofeministisches" Mitleid, und die männliche Perspektive ist nicht wichtiger als die weibliche.
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