Herausgegeben von Stefan Nienhaus und Dieter Werner. Theodor Däublers Hauptwerk ist der riesige, episch-lyrische Zyklus "Das Nordlicht", über 30 000 Verse, die die Formelemente und Themen seiner Poesie enthalten: Verdichtung verschiedener Mythen, Liebe zu Rhythmus und Versform, Symbolik, Bilderreichtum, hymnische Sprache. Diese kosmische Phantasie entfaltet Däublers Privatmythos des zur Lebensquelle verklärten Sonnenlichts, ist Dichtung über das künstlerische Schaffen, Menschheitsgeschichte als Läuterung hin zum Geist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.12.2004
Eine "Generalmobilmachung der Motive romantischer Lyrik" sieht Rezensent Thomas Steinfeld in Theodor Däublers monumentalem Versepos "Nordlicht", das nun in einer dreibändigen, historisch-kritischen Edition vorliegt, die die verschiedenen Fassungen des Gedichts dokumentiert und einen Kommentar zu Entstehung und Wirkung sowie einen gelehrten Apparat bietet. Steinfeld würdigt den heute weitgehend vergessenen Dichter als "gewaltigen Meister des Klangs, des Versmaßes und des Reims". Er sei so virtuos wie Rainer Maria Rilke, "aber ohne dessen späte Gebrochenheit, ohne dessen Charme, ohne dessen philosophische Feinheit." Im Blick auf Intention und die gigantischen Ausmaße des dreißigtausend Zeilen umfassenden Langgedichts vergleicht Steinfeld das "Nordlicht" mit Spenglers "Untergang des Abendlandes". Beide seien auf die Totale hin angelegt, sie wollten den christlichen Gott beerben und dürften keine Ausnahme kennen, mit einer unendlichen Menge von Material solle Einfachheit erzeugt werden. Während Steinfeld die lyrischen Formen und die Bildwelt Däublers noch dem neunzehnten Jahrhundert zurechnet, zählt er dessen ästhetischen Gestus zum Expressionismus. Er berichtet, dass dem Werk seinerzeit kein großer Erfolg beschieden war. Umso mehr sei der Mut des kleinen Verlags zu bewundern und ihm die Neugier zu wünschen, die Theodor Däubler verdiene.
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