Herausgegeben von Debora Helmer und Gabriele Radecke in Zusammenarbeit
mit der Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Universität Göttingen.
Fontanes Theaterkritiken - erstmals vollständig ediert und kommentiert.
Von 1870 bis Ende 1889 war Fontane als Theaterreferent für die "Vossische Zeitung" tätig und hat in dieser Zeit etwa 650 Kritiken geschrieben. Diese Texte werden im Rahmen der Großen Brandenburger Ausgabe erstmals vollständig veröffentlicht. Sie konturieren das Bild des Journalisten Fontane, dessen Beiträge eine wesentliche Facette seines schriftstellerischen Schaffens darstellen. Besonders beeindruckend ist die Modernität seiner Anschauungen und Texte, in denen sich die Entwicklung vom wilhelminischen zum naturalistischen Theater abzeichnet. Wenn er für die liberale Vossische Zeitung im Königlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt die Aufführungen der ersten Bühne Berlins verfolgt, möchte er seine Leser vor allem unterhalten: Mit Wortspiel und Witz bewertet er in seinem charakteristischen Plauderton Stück, Sujet und Schauspieler. Dabei folgt er keinem "Paragraphenkodex", sondern vertraut stets seiner "unmittelbaren Empfindung" und dem eigenen Standpunkt. Der forschungsgestützte Kommentar von Debora Helmer und Gabriele Radecke erschließt die Zusammenhänge und wertet bislang unbekannte Aufzeichnungen aus Fontanes Notizbüchern aus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.04.2019
Auch wenn Rezensentin Petra Kohse etliche Berliner Theaterproduktionen dieser Zeit für ziemlich uninteressant hält, besteht sie darauf, dass Theodor Fontanes zwischen 1870 und 1894 erschienene Theaterkritiken unbedingt lesenswert seien: Erstens erkenne man in ihnen deutlich, wie viel Muße die damalige Kulturgesellschaft ganz ohne Netflix und Co. gehabt habe, zweitens zeigen seine Auseinandersetzungen mit den Stücken ihr zufolge wunderbar seine intellektuelle Weltanschauung und drittens fand sie es spannend, die Ankunft des Realismus und Naturalismus auf deutschen Bühnen aus seiner Perspektive geschildert zu bekommen. Ihr Fazit: Diese Publikation ist alles andere als überflüssig.
Tilman Krause kann sich auf das geschmacksbildende Element bei Theodor Fontane verlassen. Fontanes Theaterkritiken, vier Bände gleich, machen ihm Freude, egal, wo er sie aufschlägt oder im umfangreichen Kommentar schmökert. Nicht mal besonders theaterinteressiert, meint er, müsse der Leser sein. Fontanes sprachlich geschliffenen Kritiken bieten über ihre für den Rezensenten unbestreitbare historische Bedeutung hinaus laut Krause unbestechliche, elegante, mal respektlose, doch stets konziliante Heiterkeit im Urteil. Ein belebendes, stärkendes Lesevergnügen, findet Krause.
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