Herausgegeben von Martin Huber und Wendelin Schmidt-Dengler.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.04.2004
"Kristallener Schnee? Glitzernde Sterne? Romantisches Mondlicht? Liebe, Hoffnung und Glück?" Thomas Bernhard? Steffen Martus hat sich die Augen gerieben und ist nach anfänglichem Stutzen umso begeisterter von der Editionspraxis, die den 14. Band der Gesamtausgabe direkt neben die ersten beiden Bände, die Romane "Frost" und "Verstörung", stellt - "diese maßlos kalten, irritierenden Produkte einer von der Welt bedrängten und die Welt verdrängenden Phantasie". Jener 14. Band enthält frühe Kurzgeschichten Bernhards, die ihn Martus zufolge als "einen Schriftsteller in der klassischen Tradition novellistischen und parabelhaften Schreibens" zeigen - und als hoffnungsfähigen Geist. Nichts weniger als einen "neuen Bernhard" könne man hier kennen lernen, dank einer Ausgabe, die "eigene Lektüregänge" durch das Werk des Österreichers provoziere. Ein guter Begleiter ist nach Ansicht des Rezensenten der Kommentarteil, der tiefe Einblicke in den Schreibprozess und damit in den von Bernhard zum Tabu erklärten Nachlass eröffne. Martus vermutet zwar, dass "Editionspuristen" die Nase rümpfen könnten, "weil die Herstellung von Mischtexten, die unterschiedlich motivierten Eingriffe und die Auswahlkriterien der Druckvorlagen einige Fragen offen lassen". Trotzdem lautet sein Fazit: "Die neue Ausgabe erhebt Bernhard editionspolitisch in den Klassikerstand."
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