Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2002
Dass die meisten Beiträge zu diesem Thomas-Bernhard-Sammelband von solider Qualität sind, steht für Oliver Jungen außer Frage. Alle haben sich dem für seine komplexe Prosa berüchtigten österreichischen Autor mit Hilfe moderner Theoriesysteme genähert, etwa der Diskursanalyse oder des New Historicism. Der Titel allerdings sei irreführend, findet der Rezensent, denn weder Politik noch Medien werden hier in besonderer Weise thematisiert. Diese "Fortschreibung des Bernhardschen Irritationspotentials" sei symptomatisch für das ganze Buch. Diese "vorsätzliche Unschärfe" a la Bernhard hat der Rezensent als Universalstrategie des Bandes ausgemacht. Ob es sich um die Ununterscheidbarkeit des Komischen und Tragischen in Bernhards Werk oder diejenige von Pathologie und Normalität handelt, nie kommen die Beiträge über eine Akklamation der Bernhardschen Theorien hinaus, urteilt Jungen. Für ihn ein "Versagen der literaturwissenschaftlichen Instrumente" und "die Kapitulation des Interpreten". Am Ende ist für den Rezensenten zumindest eines klar: Noch beißt sich die Literaturwissenschaft an Thomas Bernhard offensichtlich die Zähne aus.
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