Deutschland ist eine blockierte Republik, ein Absteiger aus der Weltliga, eine deformierte Spaßgesellschaft. Wirklich? Gegen vorschnelle Urteile hilft die historische Diagnose dieses Diskussionsbuches. Wirtschaftliche Leistungskraft, Massenwohlstand, sozialer Friede und politische Stabilität: All dies bestimmte das Bild der Bundesrepublik Deutschland in den siebziger und achtziger Jahren so sehr, dass allenthalben vom "Modell Deutschland" die Rede war - nicht zuletzt im Gegensatz zu den marktradikalen Reformen des Thatcherismus in England. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts haben sich die Vorzeichen umgekehrt: England gilt als fit für die Globalisierung, Deutschland hingegen als europäischer Patient. Was ist aus dem "Modell Deutschland" geworden?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.2008
Instruktiv scheint Manfred Funke dieser von Thomas Hertfelder und Andreas Rödder herausgegebene Band über das "Modell Deutschland", in dem zahlreiche Autoren die Geschichte, Gegenwart und Zukunft dieses Modells diskutieren. Die Beiträge dokumentieren für ihn nicht nur ökonomische Verwerfungen, sondern auch Sehnsüchte nach Sicherheit und Selbstvertrauen. Neben Manfred G. Schmidts Beitrag über das Ungleichgewicht zwischen Wirtschaftskraft und Sozialpolitik und Gerhard A. Ritters Kritik am zu viel Reformenergie verbrauchenden deutschen Föderalismus hebt er unter anderem Andreas Wirschings Artikel über Verflechtungen und Verspannungen alt-neuer Interessenstrukturen hervor. Insgesamt fügen sich die von den Autoren gezeichneten Deutschland-Bilder zu einem "tiefenscharf strukturierten Sichtfeld ins Ungewisse".
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