Mit 57 Abbildungen. Süffeln an der Werkbank, prallvolle Schnapsregale, vertuschte Alkoholikerzahlen und ein abstinenter Parteichef - Thomas Kochans reich illustrierte Studie zeigt, wie stark Alltag, Wirtschaft, Politik und Kultur in der DDR um den Alkohol kreisten. Die Bekehrung zum sozialistischen Genuss scheiterte trotz scharfer Anti-Alkoholgesetze. Goldbrand, Timms Saurer und Sambalita erfreuten sich großer Beliebtheit, den allgegenwärtigen Kristall-Wodka taufte der Volksmund "Blauer Würger". Die DDR brachte es zum Spirituosenweltmeister. Doch im Herbst 1989 legten die Ostdeutschen ihr alkoholzentriertes System ad acta, die friedliche Revolution war eine nüchterne Revolution.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2011
Sehr angetan ist Rezensent Jens Bisky von Thomas Kochans kurzweiliger und "origineller" Studie über den Alkoholkonsum in der DDR. Ihm gefällt zunächst der von "Neugier" geprägte Zugriff des Autors, der hier keine Klischees bedienen will, sondern eine komplexe Antwort auf die Frage sucht, warum in der DDR Alkohol eine derart große Rolle spielte und überdurchschnittlich viel Schnaps getrunken wurde. Auch wer in dem System aufgewachsen ist, wird hier noch etwas lernen können, betont Bisky. Kochan geht bei seiner Auswertung der Statistiken, seiner Sichtung von Quellen aus Kunst, Literatur, medizinischen Aufsätzen oder Stasi-Dokumenten allzu einfachen Antworten aus dem Weg und nimmt sich viel Zeit, dass Phänomen zu betrachten, so der Rezensent anerkennend. Und so kann er als Erkenntnis aus dieser Studie mitnehmen, dass der Alkoholkonsum in der DDR komplexe historische und kulturelle Gründe hatte. Vor allem aber sei ein Schlüssel zum Verständnis des Problems, dass der Alkoholkonsum in der DDR eben "kein Problem war", so Bisky in Anlehnung an den Autor.
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