Mit zahlreichen Abbildungen. Dieses erst vor wenigen Jahren aufgetauchte Wunderzeichenbuch, das sich seit kurzem in amerikanischem Privatbesitz befindet, ist eine der spektakulärsten Neuentdeckungen auf dem Gebiet der deutschen Renaissancekunst. Die nahezu vollständig erhaltene Bildhandschrift, die nicht lange vor Abschluss des Augsburger Religionsfriedens um 1550 in der schwäbischen Reichstadt entstand, enthält auf 167 Seiten großformatige, in Gouache und Aquarell ausgeführte Illustrationen wundersamer und oft furchterregender Himmelserscheinungen, Sternenkonstellationen, Feuersbrünste, Überschwemmungen sowie anderer Katastrophen und rätselhafter Phänomene. Vom alten Testament hier etwa die Teilung des Roten Meeres spannt sich der Bogen über Ereignisse aus antiker Überlieferung und mittelalterlichen Chroniken bis in die unmittelbare Gegenwart der Verfasser des Buches und schließlich mit den Illustrationen zur visionären Johannesoffenbarung sogar bis zum künftigen Ende der Welt. Ereignisse wie etwa Schlangenplagen in Ungarn, apokalyptische Blutregen in Ligurien oder die Geburt zweiköpfiger Kälber werden mit verblüffender Nüchternheit beschrieben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.12.2013
Das Tollste für Willi Winkler an diesem Buch ist die Botschaft: Möge die Apokalypse auch noch so nah scheinen, vielleibiges Getier und Höllenstürme von ihr künden - wir sind immer noch da. Und umso froher, da dies prächtige Buch bereits um 1550 entstand und die Zeichen und Wunder vom Weltenende versammelte, wie Winkler erläutert. Was der Rezensent nun als Faksimile ansieht, im Stil alter Votivtafeln, beschert ihm dennoch einen Rest Angstlust, da können die Künstler noch so versponnen und heiter sogar zeichnen und beschriften. Und den Herausgeberhinweis auf Vorlagen bei Cranach und Holbein braucht es gar nicht, meint Winkler, dies Werk steht für sich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.12.2013
Als eines der "schönsten Bücher des Jahres" preist Rezensent Arno Widmann das von Till-Holger Borchert und Joshua P. Waterman herausgegebene "Wunderzeichenbuch". Der Kritiker erfreut sich nicht nur an den detaillierten und erklärenden Aufsätzen der Herausgeber, sondern blättert auch mit Genuss in der Faksimilie-Ausgabe des Mitte des 16. Jahrhunderts in Augsburg entstandenen Buches, das Wunder von der Sintflut über Missgeburten, Erdbeben, Sonnenfinsternisse und goldene Kugeln, die vom Himmel kommen bis zur Offenbarung des Johannes verzeichnet. Neben den zahlreichen Aquarellen und Gouachen bewundert Widmann die protokollierenden Texte, die - ganz ohne theologisch-moralische Deutung und Erklärungs-Theorien - die außergewöhnlichen Beobachtungen notieren. Dieses im wahrsten Sinne des Wortes wunderbare Buch kann der Rezensent nur unbedingt empfehlen.
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