Der Spanier Francisco Franco zählt zu den prägenden Diktatoren des 20. Jahrhunderts. Anders als seine Verbündeten Hitler und Mussolini konnte er sich über den Zweiten Weltkrieg hinaus bis 1975 an der Macht halten. Die Einordnung seiner Person und seiner beinahe 40-jährigen Herrschaft in die europäische Zeitgeschichte ist dabei auch heute noch umstritten. Diese umfassende Darstellung von Francos Leben gibt Einblicke in die wechselvolle Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert und bietet zugleich Ansatzpunkte für ein besseres Verständnis autoritärer Herrschaft in der Gegenwart. Nach 1945 galt Franco vielen als ewiger Faschist, der nicht mehr in das neue demokratische Europa passte. Und doch diente er sich der westlichen Welt erfolgreich als Partner an und genoss bis zu seinem Tod 1975 eine beträchtliche Popularität in der spanischen Bevölkerung. Er kultivierte ein Image als effizienter Modernisierer und ließ sich von westlichen Experten beraten, doch beruhte seine Herrschaft auch auf der massenhaften Verfolgung Andersdenkender und zeichnete sich durch extreme soziale Gegensätze, verbreitete Korruption und Mangelwirtschaft aus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.11.2025
Eine starke Franco-Biografie legt Till Kössler Rezensent Stephan Klemm zufolge hier vor. Kössler, seines Zeichens Historiker, widmet sich dem gesamten Lebenslauf des 1892 geborenen Franco, der bereits als Teenager in einer Militärakademie seine Vorliebe für alles klar Geordnete entdeckte. Freilich argumentiert Kössler in diesem gut lesbaren Buch weniger individualpsychologisch, erläutert Klemm, als dass er die zeithistorischen Einflüsse auf Denken und Handeln Francos offenlegt. Franco wird, wie schon der Titel nahelegt, von Kössler als ein ewiger Faschist beschrieben, als einer der zeitlebens von einer nationalistischen und auch verschwörungstheoretischen Weltsicht angetrieben wurde, was ihn in den späteren Jahren seiner Herrschaft zu einer unzeitgemäßen Figur machte. Mit Kössler geht Klemm auf einige Abschnitte in Francos Leben näher ein, etwa auf den Triumph im Bürgerkrieg gegen republikanische Kräfte. Auch das lange Erbe der Franco-Ära nach dem Tod des Diktators wird in dem Buch behandelt, schließt die positive Besprechung.
In Till Kösslers Biographie von Franco lässt sich nicht nur eine Menge über den spanischen Diktator, sondern auch über die "Alleinherrscher" dieser Zeit, befindet Rezensent Nikolaus Nützel. Schon als kolonialer Offizier in Marokko fällt Franco durch Gräueltaten auf, lernen wir, diese Gewalt setzt sich im spanischen Bürgerkrieg und in seinem Kampf gegen die Demokraten fort, Folter ist an der Tagesordnung. Kössler wählt dabei einen Stil, der für Nützel zugleich Kriterien der Wissenschaftlichkeit und der Zugänglichkeit erfüllt und macht deutlich, dass die Beschäftigung mit Franco sich auch fünfzig Jahre nach dessen Tod noch lohnt.
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