Alain Claude Sulzer

Fast wie ein Bruder

Roman
Cover: Fast wie ein Bruder
Galiani Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783869712949
Gebunden, 192 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Entlang der gemeinsamen Lebensgeschichte zweier grundverschiedener Männer ergründet Alain Claude Sulzer existenzielle Fragen über Freundschaft und Abschied,(Homo-)Sexualität, Kunst und Ruhm. Im Ruhrgebiet der Siebziger wachsen sie auf wie Brüder. Doch anders als den Ich-Erzähler zieht es Frank früh hinaus in die Welt: Er will als Künstler leben, geht nach New York, malt wie besessen, jedoch ohne Erfolg. Erst als er unheilbar krank ist, kehrt er zurück. Nach langer Zeit begegnen sich die Freunde am Sterbebett zum letzten Mal. So unterschiedlich ihre Lebensläufe, so tief ist die in der Kindheit geknüpfte Verbindung. Und so landen die Bilder aus Franks Nachlass von nun an gut verpackt in der Remise des Erzählers - dem nicht nur Franks Homosexualität stets fremd geblieben ist, sondern auch dessen Kunst. Jahrzehnte später entdeckt er die Bilder zufällig in einer Galerie. Rätselhaft, wie sie dort hingelangt sind - und welch eigentümliche Anziehungskraft sie besitzen: Die Kunstwelt feiert den unbekannten Maler als Genie, und auch der Erzähler erkennt endlich die Faszination, die von den Werken des Freundes ausgeht. Und mehr noch: Im großformatigen Gemälde eines nackten Mannes erkennt er sich selbst. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 16.08.2024

Fast hätte ein "eilfertiger, geschichtsvergessener Sprachpurismus" die Entstehung dieses Romans behindert, berichtet Rezensentin Beate Tröger. Grund ist, dass das Z-Wort fällt: Es wird benutzt, um die zeittypische Beklemmung der sechziger und siebziger Jahre zu markieren, in der Frank sich befindet, der beste Freund des Erzählers, als er mit Matteo, der als "Zigeuner" bezeichnet wird, in flagranti erwischt wird. Auch die Homosexualität und später der Ausbruch der AIDS-Pandemie werden realistisch-beklemmend beschrieben, bemerkt Tröger, Frank stirbt daran und der Erzähler erbt die Bilder, die Frank gemalt hat. Dass auch verhandelt wird, was Literatur und Kunst können und wie man sie vor dem Vergessen bewahrt, trägt für die Kritikerin zu einem äußerst vielfältigen Roman bei, der nur etwas überstürzt zum Ende kommt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.08.2024

Alain Claude Sulzers neuer Roman handelt vom Vergessen der Kunst und wäre eben diesem beinahe selbst anheimgefallen, berichtet Rezensent Roman Bucheli: Sulzer hatte in Basel um Förderung angesucht, die Basler Literaturjury war allerdings kritisch eingestellt, da der Autor kontinuierlich mit Stereotypen rund um das Z-Wort arbeitet. Die Empörung der Basler sorgte aber für "moralische Unterstützung" Sulzers und so konnte der Roman nun doch erscheinen, freut sich Bucheli, der vor allem betont, dass im Roman nicht um Sulzers, sondern um die beschränkte Weltsicht seines Protagonisten geht. Erzählt wird die Geschichte von zwei Freunden im Ruhrgebiet der Siebziger, die sich voneinander entfremden, als Frank, der beste Freund des Ich-Erzählers seine Homosexualität offenbart und als Künstler nach New York geht - bis er schließlich an Aids erkrankt zum Sterben nach Deutschland zurückkehrt. Bucheli empfiehlt ein Buch, das sich den Vergänglichkeiten des Lebens widmet, so der Kritiker.

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