Aus dem Englischen von Astrid Sommer. Der computer- und spielsüchtige Ich-Erzähler, vielleicht Mitte Zwanzig, präsentiert sich als Verfasser eines Wegweisers für ein fiktives Online-Spiel, den er für die anderen Spieler fortlaufend als Blog ins Netz stellt. Die Mission ist klar: das Spiel muss glücklich zu Ende gebracht werden, doch der Weg dorthin scheint unmöglich, denn die Spiel-Welt ist irrwitzig detailreich, überdimensioniert und unüberschaubar komplex. Das Spiel ist daher im eigentlichen Sinne unspielbar, und sein Vorhaben ist ein wahrhaft heroisches Unterfangen Dem gegenüber steht die Unfähigkeit des Helden, die eigene, ungleich banalere Existenz auf die Reihe zu bringen. Sein kümmerlicher Job als Aushilfsbäcker in einem Pizzaservice steht auf der Kippe, die Freundin packt irgendwann endgültig ihre Sachen, ein depressiver Freund verschwindet das wirkliche Leben lässt sich nicht aussperren und wirkt sich erst lästig, dann mehr und mehr verstörend auf den Fortgang der Erzählung aus. Der Bewusstseinsstrom des Erzählers drängt sich ins Schreiben, und der Spiele-Blog wird mehr und mehr zum Tagebuch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2010
Auf jede Menge Überschneidungen zwischen dem Cyberspace der Onlinespiele und der Realität ist Alexander Müller in diesem Buch von Tim Etchells gestoßen. Genau wie der Held im Roman, dessen Leben an seiner Spielbesessenheit zu zerbrechen droht, weiß man beim Lesen der Besprechung auch bald nicht mehr so genau, was Spiel, was Handlung ist. Davon, dass der Roman selbst Suchtpotential hat, scheint Müller jedenfalls überzeugt. Nicht nur die Cyberwelt mit ihren Zombies und Dämonen zieht ihn an, auch sprachlich gelingt es dem Autor und seiner Übersetzerin seiner Meinung nach, den schwankenden Jargon der Netzbewohner abzubilden. So entsteht für Müller ein spannender, zugleich glücklich und traurig machender Text, der auch darin wiederum Parallelen mit der Welt der Spiele aufweist.
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Caroline Blackwood: Das Schicksal von Mary Rose Aus dem Englischen von Claudia Voit. Caroline Blackwood, Erbin des Guinness Vermögens und schillernde Figur der Londoner Bohème, hat aus ihrer Herkunft und ihrem Leben keine… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt…