"Das Glücksspiel hat ein Ausmaß angenommen, das früher unvorstellbar war", heißt es in der New York Times. Lisa Fritsch berichtet davon in ihren Erzählungen, die mitunter die Form des literarischen Essays annehmen. Sie entführt uns nach Las Vegas und erzählt von jenen Spieltischen, wo es nicht nur um Geld sondern auch um Leben gehen kann. Dann stehen wir mit dem Maler und Exzentriker Francis Bacon nächtelang an einem Roulettetisch im Casino. Augenblicke intensiver Lebendigkeit werden für die Leser festgehalten. Der Text "Das Geständnis des Anwalts" zerstört endgültig die Illusion vom Glück, das sich beim Spiel einstellen soll. Auch Lessing war ein leidenschaftlicher Spieler, er liebte das zu seiner Zeit so populär werdende Lotto. Die Ich-Erzählerin begegnet ihm auf geheimnisvolle Weise des Nachts in seinem Haus, um mit dem Dichter ein Spiel mit Worten wie mit Karten zu wagen.
Dieses Buch mit sechs Geschichten über die Spielsucht von Lisa Fritsch hat Franz Schuh nach eigenem Bekunden "gern" in die Hand genommen, weil es ein "Laster" behandelt, dem er ausnahmsweise nicht frönt. Aus zwei Gründen lobt er "Am Spieltisch" als "fein": zum einem ist ihm aufgefallen, dass die Autorin die Spielsucht sehr zurückhaltend schildert und damit nicht der "voyeuristischen Lust" der Leser zuarbeitet. Zum anderen hebt er hervor, dass das Buch "formal nicht festlegt" und sowohl essayistische Texte als Erzählungen vereint. Es hat den Rezensenten beeindruckt, wie die Autorin überzeugend herausstellt, dass das "Glück" des Spielers "jenseits von Gewinn oder Verlust" liegt. Auch findet Schuh es sehr plausibel, dass sie die Spielsucht nicht lediglich als krankhafte Verhaltensweise, sondern als "Daseinsform" auffasst.
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