Aus dem Englischen von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. Je mehr wir in der Moderne ankommen, umso stärker wirkt die Gleichung zwischen Kunst und Behinderung - bis Kunst kaum mehr ohne den Schatten der Behinderung wahrgenommen werden kann. Tatsächlich ist diese Gleichung so stark, dass wir Schwierigkeiten haben, Kunstwerke der Vergangenheit nicht nach Maßgabe moderner Bilder von Behinderung zu sehen. Die Essays von Tobin Siebers konzipieren dagegen Kunst als einen Bereich, in dem Behinderung einen eigenständigen ästhetischen Wert besitzt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.08.2009
Auf starke Sätze und überraschende Perspektiven stößt Rezensent Alexander Kissler in diesem Buch. Und er staunt, was eine Vermessung des Zentrums vom Rand her vermag. Genauer: Was Tobin Siebers' Essays über Kunst, Ästhetik und Behinderung an allgemeiner Aussagekraft besitzen. Wenn Siebert sich klar gegen die perfekte Gesellschaft und idealisierte Körperbilder ausspricht und die Tendenz zur Diskriminierung beispielreich belegt, ist Alexander Kissler aufmerksam. Siebers' "antiidealistische Volte" hin zu einer Kunst (bei Hirst, Quinn, McCarthy), die den beschädigten Körper ins Zentrum rückt, macht Kissler allerdings nur bedingt mit. Sein Einwand: Die kategoriale Differenz zwischen dem notgedrungen und dem freiwillig versehrten Leib. Ferner entgeht ihm nicht, dass der Autor bei allem antiidealistischen Furor dennoch am "Zentralbegriff der Schönheit" festhält. Das Überraschungspotential des Buches scheint dem Rezensenten jedoch groß genug, die "Kunst der Abweichung" politisch genug, um die Lektüre zu empfehlen.
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